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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
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leuchtet. Schöner ist kein Zorn, als die Entrüstung einer edeln, mißhandeltenNation, die nach kurzem Selbstvergessen endlich ihre ganze Würde wieder-findet und nun auf einmal den höhnenden Feind, der eben noch unter dieFüße sie getreten, mit dem bloßen Schrecken ihres Namens schlägt.Es kam dem Wehrstand zu, der erste die Lärmstange zu diesem großen Auf-stand anzuzünden. Der General York durchschritt zuerst den Zauberkreis,in den man durch Schwarzkunst die Kraft der Nation hineingebannt. DerFluch aller Kreaturen des herrschenden Systems durch ganz Frankreich istihm dafür geworden, aber diese Flüche dringen nicht zum Himmel, nur derVater der Lüge hat sie gehört. Auf Kleist, ihm und allen seinen Waffenge-fährten aber ruht der Segen Deutschlands, daß sie, die ersten abgesagt dembösen Feind und seine Tücke zu Schaden gebracht. Die Nation, die nun einenKern gefunden, an den sie sich anlegen konnte, gab willig ihre Kraft zumWerke: es folgte der Aufruf des Königs von Breslau aus, und nun war derletzte Damm geöffnet, der die Begeisterung in ihren Ufern hielt. Durch alleStände ging der Wetteifer, selbst jene, die sonst in friedlicher Besinnung denKrieg zu scheuen pflegen, drängten sich in freudiger Entsagung dem Dienstezu. Vor allem die mutige Jugend. Frohlockend vernahm sie den Ruf des Vater-landes, die Zukunft, die lange in ihrem harrenden Herzen schon gestanden,war zur Gegenwart ihr jetzt geworden, und der lange verhaltene Ungestümmochte sich frei ergießen. Längst schon waren alle Geister vorbereitet, inöffentlicher und persönlicher Mitteilung waren allen die Verhältnisse klar ge-worden. So konnte kein Schwanken, keine Halbheit mehr bestehen; die großeNot ließ der feigen Nachgebigkeit keinen Hinterhalt, und so entstand die Be-wegung und das herrliche Leben, indem mit einem Male alle verborgenenKräfte federten und eine Tätigkeit sondergleichen mitten in der schlaffen,trägen Zeit erschien. Als ob ein Geist von oben herab sich auf der Nationniedergelassen hätte, so sprachen alle Zungen eine andere Sprache, die Geisterdachten andere Gedanken, die Herzen schlugen in andern, lebendigem Ge-fühlen. Alle Talente, die zur Zeit des Elends wie unsichtbar geworden waren,kamen aus ihrer Verborgenheit hervor, und jedes fand die rechte Stelle, ander es für die gemeine Sache aufs vorteilhafteste wirken konnte. War vorherbeim herrschenden Ungeschick immer der kürzere Arm des Hebels in den Hän-den der Gewalthaber, dann kam jetzt die Überwucht auf die rechte Seite,und mit der kleinsten Kraft wurde die stärkste Last überwältigt. Mit verstän-diger Klugheit hatte früher die Regierung, der im Tilsiter Frieden untersagtwar, eine Heeresmacht über eine gewisse Zahl hinaus zu unterhalten, durchbeständige Beurlaubung der in den Waffen schon Geübten es dahin gebracht,daß ein zahlreiches, in den Übungen gewandtes Heer, unsichtbar und dochgegenwärtig, nur ihren Wink erwartete, um im Felde zu erscheinen. Darumstand mit einem Male wie durch Zaubers Macht eine wohlgerüstete, kriegs-erfahrne Schar im Felde, als sei die alte Saat der Schlangenzähne noch ein-mal aufgegangen, so stiegen bewaffnete Krieger aus allen Furchen auf, diemit feuerschnaubendem Gespann am Pfluge die Zeit aufgeworfen: aber eswar dasmal die heilbringende Schlange des guten Geistes, und darum riebendie Männer keineswegs einander, sondern allein ihre Feinde auf. Die Welt

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