daß dort an der Ecke des deutschen Bodens ein kräftiges, umsichtiges, waffen-tüchtiges Regiment zur Rettung Deutschlands nicht entbehrt werden könne.Seit dem Beginn des französischen Krieges von 1674 erkannte Europa, daßdie schlaue Politik, welche von dieser kleinen Ecke ausging, auch das staunens-werte Wagnis unternahm, die Westgrenze Deutschlands gegen den über-mächtigen König von Frankreich heldenhaft zu verteidigen.Es lag vielleicht auch etwas Auffallendes in dem Stammcharakter des branden-burgischen Volkes, an dem Fürsten und Untertanen gleichen Teil hatten.Die preußischen Landschaften hatten den Deutschen bis auf Friedrich denGroßen verhältnismäßig wenig von Gelehrten, Dichtern und Künstlern ab-gegeben. Selbst der leidenschaftliche Eifer der Reformationszeit schien dortabgedämpft. Die Leute, welche in dem Grenzlande saßen, meist von nieder-sächsischem Stamme, mit geringer Beimischung von Slawenblut, waren einhartes, knorriges Geschlecht, nicht vorzugsweise anmutig in den Formenihres Lebens, aber von einem ungewöhnlich scharfen Verstände, nüchternim Urteil, in der Hauptstadt schon seit alter Zeit spottlustig und von beweg-licher Zunge, in allen Landschaften großer Anstrengungen fähig, arbeitsam,zäh, von dauerhafter Kraft.
Aber mehr als Lage und Stammcharakter des Volkes schuf dort der Charakterder Fürsten. In anderer Weise, als irgendwo seit den Tagen Karls des Großengeschah, haben sie ihren Staat gebildet. Manches Fürstengeschlecht zählteine Reihe glücklicher Vergrößerer des Staates, auch die Bourbonen habenweites Gebiet zu einem großen Staatskörper zusammengezogen, manchesFürstenhaus hat einige Geschlechtsfolgen tapferer Krieger erzeugt, keineswar tapferer als die Wasa und die protestantischen Witteisbacher in Schweden.Aber Erzieher des Volkes ist keins gewesen wie die alten Hohenzollern. Alsgroße Gutsherren auf verwüstetem Lande haben sie die Menschen geworben,die Kultur geleitet, durch fast hundertfünfzig Jahre als strenge Hauswirtegearbeitet, gedacht, geduldet, gewagt und Unrecht getan, um ein Volk fürihren Staat zu schaffen wie sie selbst: hart, sparsam, gescheit, keck, das Höchstefür sich begehrend.
In solchem Sinne hat man recht, den providentiellen Charakter des preußi-schen Staates zu bewundern.
Von den vier Fürsten, welche ihn seit dem deutschen Kriege bis zu dem Tageregierten, wo der greise Abt im Kloster Sanssouci die müden Augen schloß,hat jeder mit seinen Tugenden und Fehlern wie eine notwendige Ergänzungseines Vorgängers gelebt. Kurfürst Friedrich Wilhelm, der größte Staats-mann aus der Schule des deutschen Krieges, der prachtliebende erste KönigFriedrich, der sparsame Gewaltherrscher Friedrich Wilhelm I., zuletzt Er, inwelchem sich die Anlagen und großen Eigenschaften fast aller seiner Vorfahrenzusammenfanden, im 18. Jahrhundert die Blüte des Geschlechts. (GustavFreytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit, 1859/1867.)
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