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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Nietzsche wirbt, wie Wagner im Lohengrin, um den ganzen Menschen, diegläubige Seele, den wollenden Geist, nicht den Fachmann. Um die Seele derNation kämpft er als Prediger und Philosoph, aber hier, wo es den geliebtenFreund gilt, ist all dies Wollen gleichsam verdichtet in ein zärtliches Werbenund liebevolles Ringen um dessen höheres Selbst. Mit innigsten lyrischenTönen sucht er aus seiner Einsamkeit an dessen Zweisamkeit zu rühren.Während Nietzsche wandert und in die Wüste geht, wird Rohde immer seß-hafter. Beide sind jetztSkeptiker", nur daß ihr Skeptizismus ganz entgegen-gesetzter Art ist. Nietzsches Skeptik ist Antiromantik, Streben nach demgroßen Stil der Wirklichkeit, sein Unglaube ist Suchen nach höchstemGlauben, sein Zerstören ist Bahn für den neuen Menschen: sein Skeptizismuswill allein die höchste Norm gelten lassen. Rohdes Skeptizismus ist Glau-benslosigkeit schlechthin, seine Kunst ist romantischer Rausch, ohne jedeVerbindlichkeit für das Leben und ohne jede Dauer, sein Beruf ist darum dienackte Gelehrsamkeit, und weil ihn darum alles drückt und enttäuscht, findeter sein Glück allein im simplen Familienleben: sein Skeptizismus läßt nur dieDurchschnitts-Norm gelten. Er ist ein Beispiel für die oft unverstandeneWahrheit, daß die Romantik eine Form des unmännlichen Skeptizismus,ein Herumdrücken um Wirklichkeit, Tat, Heroismus ist. (Kurt Hildebrandt,Wagner und Nietzsche, Ihr Kampf gegen das neunzehnte Jahrhundert,1924.)

VOM GOTTESGLAUBEN ZUM NATURGESETZ

Hatte die monotheistische Lehre den Mittelpunkt der bisherigen Metaphysikgebildet, und besaß sie innerhalb der strengen Wissenschaft ihren Hauptstütz-punkt an dem Schluß aus den Tatsachen der Astronomie, so wurde nun auchdie Stringenz dieses Schlusses zersetzt.

Noch Kepler war durch seine Entdeckungen nur dahin geführt worden, diegöttliche Kraft, welche die Bewegungen der Planeten hervorbringt, in dieSonne als den Mittelpunkt aller ihrer Bahnen zu verlegen und so bereits eineZentralkraft in der Sonne anzunehmen.Wir müssen eins von beiden voraus-setzen: entweder, daß die bewegenden Geister, je weiter sie von der Sonneentfernt sind, um so schwächer werden, oder daß es einen bewegenden Geistin dem Mittelpunkte aller dieser Bahnen, nämlich in der Sonne, gebe, der jedenHimmelskörper in eine um so schnellere Bewegung versetzt, je näher ihmdieser ist, bei den entfernteren aber wegen der Erstreckung und Herabmin-derung der Kraft gleichsam ermattet."

Alsdann fiel auch noch für Newton nur ein Erklärungsgrund der Form derPlanetenbewegung in den Bereich der Materie, er bedurfte neben ihm der An-nahme, daß der Planet durch einen Stoß in eine gewisse Richtung mit einergewissen Geschwindigkeit geworfen sei. So war der erste Beweger, wenn auch2 u einem untergeordneten Geschäft, immer noch erforderlich. Ja mehr,Newton erklärt, daß Planeten und Kometen zwar nach den Gesetzen derSchwere in ihren Bahnen verharren, aber die ursprüngliche und regelmäßigeLage derselben nicht durch diese Gesetze erlangen konnten.Dies vollkom-

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