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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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bastardierte Wechselbeziehung getreten sind, und diese Wechselbeziehungzu den unbestrittenen Postulaten und Problemen der deutschen Bildung gehört:das ist Schillers Werk. Wenn man einen Menschen den Schöpfer der all-gemeinen deutschen Bildung nennen will, so ist es Schiller. Nicht daß er dieSubstanzen und Triebe geschaffen hätte, von denen diese allgemeine Bildungparasitisch zehrt die haben andere neben und vor ihm geschaffen, vor allemGoethe und Kant. Aber er hat die Substanzen nicht verbreitet, sondern siedurch seinen Geist zubereitet, daß sie dem Volkzugänglich" wurden, er hatdem Publikum Organe geschaffen, um das Wesenhafte, wenn auch nur ab-geleitet, irgendwie zu ergreifen. Er verwandelte alles, was Urkraft oder Ge-stalt war, in Ideen, in ein Mittelding zwischen Leben und Denken. In seinemWerk und Wirken selbst war die Brücke geschlagen zwischen den Fundender Vorgeschrittensten und den Möglichkeiten der Masse. Der Gesamtheit derDeutschen hat Schiller erst die Organe ausgebildet, sich zu geistigen Dingenzu stellen und sich ihrer zu bemächtigen. Dies war ihm möglich durch diedoppelseitige Begabung: er hatte vor Herder, Wieland und Lessing die Pro-duktivität voraus, durch welche Erkanntes, Gefühltes, Empfundenes erst, zuwirksamer Gestalt verdichtet, in die Sinne der Menge fällt: denn nur von denSinnen und der Phantasie aus, nur durch Greifbarkeit läßt sich unmittelbarauf die Massen wirken. Und vor Goethe, den er an produktiver Kraft nichtannähernd erreichte, hatte er das Apostel-, das Lehrer-Temperament voraus,die übergreifende und einschneidende Aktivität, durch die eine Menge er-schüttert wird. Goethe war ein Kosmos, als solcher rund in sich, selbstgenug-sam, keinem anderen Gesetz dienstbar, als dem des inneren Wachstums,welches unsichtbar und schweigsam aus sich selber seine Fülle heraufformt.Damit aber die deutsche Gesellschaft sehe und folge, bedurfte es einer äußeren,in alle Augen fahrenden Bewegung, es bedurfte der Grenzen und Ziele: dieswar in Schillers Flugbahn ... er ist unter unsern aktiven Geistern der pro-duktivste, unter unsern produktiven der aktivste. Er fand die Form, um zu-gleich seine moralische Wucht und Aktivität und seine idealische Fülle undProduktivität zu beschäftigen und organisieren, im Theater. Er allein warimstande, die Bühne wirklich als eine moralische Anstalt zu behandeln, dasheißt mit den Antrieben seiner Aktivität zu füllen, das Publikum von dort herin seinen moralischen Bann zu zwingen, den heterogenen, sinnlichen Apparatzum Dienst der Geistigkeit zu pressen. Seine Aktivität hatte deshalb von derBühne her eine ganz anders übergreifende Gewalt, als die an sich nicht geringereLessings, weil sie rhetorisch, nicht dialektisch war und sich an Sinne undEinbildungskraft wandte, anstatt an Vernunft und Logik. Darum ist er dereigentliche Begründer der Nationalbühne geworden, der Eroberer der Bühnefür das Publikum und des Publikums für geistige Inhalte.Die Inhalte selber hatte er allerdings nicht so aus erster Hand, wie Goethe dieseinen. Sein ursprünglich ihm Eigenes ist die Aktivität in jeder Form, dassittliche Pathos, die rednerische Macht. Seine Fülle, sein geistiger Stoff i stsekundär, er dankt ihn Kant, Rousseau, Goethe, Shakespeare. Deshalb » ster ein Theatraliker, Rhetor, Lehrer allerersten Ranges, der größte, den Deutsch-land hatte, aber als Dramatiker, Gestalter, Dichter sekundär. Seine unver-

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