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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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ist, wie sein Beispiel sie den Deutschen zum bewußten Willen und Gesetz ge-macht, drang er in das besondre Wesen wie der deutschen, so jeder fremdenNation und ihrer Gedanken ein und zeigte, wie in ihnen die duftigsten Blütenjedes Edlen und Schönen hervorgebrochen. Aus allen diesen Blüten windeter dem Genius der Menschheit den heiligen Kranz und verdient, daß wir in ihmden würdigsten Priester desselben verehren. Fern von jeder Eitelkeit, der deut-schen Nation eine besondere Ehre zuzuwenden, gewährte er ihr unbewußtdie größte, daß ihr Geist in seinem Geiste einer solchen unparteiischen Huma-nität fähig geworden. Wenn er in seinen Ideen und in andern Schriften zer-streut den Geist der Nationen, wie er in ihrer Geschichte und in ihren Einrich-tungen erschienen ist, immer in bezug auf die Entwicklung zum Edlen undSchönen, zur Humanität dargestellt hat, so schien es seinem richtigen Taktdoch eine besondere Würdigung zu verdienen, diesen Geist in der Poesie derVölker zu beschwören. Daher sammelte er die Stimmen der Völker, eines seinertrefflichsten Werke, darin er die schönsten und eigentümlichsten Volksge-sänge aus allen Weltgegenden her in ein großes Liederbuch der Menschheitvereinigte. Der große Sinn dieser Zusammenstellung und wieder die reicheMannigfaltigkeit und wunderbare Schönheit des Einzelnen verfehlten ihreWirkung nicht. Seitdem ward der Poesie selbst an und für sich und in ihrerBeziehung auf das Völkerleben eine höhere Bedeutung zuerkannt oder an ihrerkannt, aus ihr entwickelt. Seitdem ist ein lebendiger Verkehr der lebendenGeister mit den hingeschiedenen durch die ganze Erde angesponnen worden.Zu allen Nationen, in alle Zeiten ist man hinabgestiegen und hat die ver-borgenen Schätze gehoben, die Herder mit Flammen bezeichnet. Aus demfernen Indien, Persien, Arabien, aus dem finnischen und slavischen Norden,aus Skandinavien, Schottland, England, aus Spanien, selbst aus der neuenWelt hat man auf Herders Wink das Gold der Dichtkunst zu einem großenewig fortwuchernden Hort in der deutschen Literatur zusammengehäuft.(Wolfgang Menzel, Die deutsche Literatur, 1836.)

HERDER DER ERSTE GESCHICHTE-SEHER

Als der junge Herder von seinem Landsmann (Hamann) erweckt wurde zudem Gefühl der gottbeseelten Einheit des Lebens, erschlossen sich seinemfreieren und leichteren Naturell die Sinne für die einzelnen OffenbarungenGottes in der Geschichte der Völker. Er versuchte jetzt nicht mehr, das ein-heitlich vernünftige Prinzip, das diese Mannigfaltigkeit zusammenhielt undordnete, aufzufinden und nachzudenken, sondern gerade diese mannigfaltigenGeschöpfe als Geschöpfe zu fühlen, die Kräfte nachzuspüren, aus denen siegeworden, und das Leben mitzuleben, das ihnen der Schöpfer eingeblasen.Das Werden oder, um es mit einem seiner Lieblingsworte zu sagen, die Genese,das Geschehen selbst, war ihm nur der Sinn des Daseins und der Gegen-stand des menschlichen Geistes. Er spähte nicht mehr in und hinter den Er-scheinungen nach der Vernunftmaschinerie, nach den Zwecken, benutztedie Erscheinungen nicht mehr, um an ihnen Prinzipien und ewige Ordnungen2 u demonstrieren, sondern sah in ihnen selbst die Uroffenbarungen des Schöp-

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