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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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etwas Kühneres, Freieres und Lebendigeres zu erschaffen, als was aus jenerMittelzeit hervorgegangen war, in welcher das Gefühl und der Schmerz undfast immer das Bewußtsein der schweren welschen Krankheit so oft die kühnenAufflüge lähmte. (Ernst Moritz Arndt, Geist der Zeit IV, 1818.)

NEUE WÜRDE DES DICHTERBERUFES

Die deutschen Dichter, da sie nicht mehr als Gildeglieder für Einen Mannstanden, genossen in der bürgerlichen Welt nicht der mindesten Vorteile.Sie hatten weder Halt, Stand noch Ansehen, als insofern sonst ein Verhältnisihnen günstig war, und es kam daher bloß auf den Zufall an, ob das Talent zuEhren oder Schanden geboren sein sollte. Ein armer Erdensohn, im Gefühlvon Geist und Fähigkeiten, mußte sich kümmerlich ins Leben hineinschleppenund die Gabe, die er allenfalls von den Musen erhalten hatte, von dem augen-blicklichen Bedürfnis gedrängt, vergeuden. Das Gelegenheitsgedicht, dieerste und echteste aller Dichtarten, ward verächtlich auf einen Grad, daß dieNation noch jetzt nicht zu einem Begriff des hohen Wertes desselben gelangenkann, und ein Poet, wenn er nicht gar den Weg Günthers einschlug, erschienin der Welt auf die traurigste Weise subordiniert, als Spaßmacher und Schma-rotzer, so daß er sowohl auf dem Theater, als auf der Lebensbühne eine Figurvorstellte, der man nach Belieben mitspielen konnte.

Gesellte sich hingegen die Muse zu Männern von Ansehen, so erhielten diesedadurch einen Glanz, der auf die Geberin zurückfiel. Lebensgewandte Edel-leute, wie Hagedorn, stattliche Bürger, wie Brockes, entschiedene Gelehrte,wie Haller, erschienen unter den Ersten der Nation, den Vornehmsten undGeschätztesten gleich. Besonders wurden auch solche Personen verehrt, die,neben jenem angenehmen Talente, sich noch als emsige, treue Geschäfts-männer auszeichneten. Deshalb erfreuten sich Uz, Rabener, Weiße einerAchtung ganz eigener Art, weil man die heterogensten, selten miteinanderverbundenen Eigenschaften hier vereint zu schätzen hatte.Nun sollte aber die Zeit kommen, wo das Dichtergenie sich selbst gewahrwürde, sich seine eigenen Verhältnisse selbst schüfe und den Grund zu einerunabhängigen Würde zu legen verstünde. Alles traf in Klopstock zusammen,um eine solche Epoche zu begründen. Er war, von der sinnlichen wie von dersittlichen Seite betrachtet, ein reiner Jüngling. Ernst und gründlich erzogen,legt er von Jugend an einen großen Wert auf sich selbst und auf alles, was er tut,und indem er die Schritte seines Lebens bedächtig vorausmißt, wendet er sich,im Vorgefühl der ganzen Kraft seines Innern, gegen den höchsten denkbarenGegenstand. Der Messias, ein Name, der unendliche Eigenschaften bezeichnet,sollte durch ihn aufs neue verherrlicht werden. Der Erlöser sollte der Heldsein, den er, durch irdische Gemeinheit und Leiden, zu den höchsten himm-lischen Triumphen zu begleiten gedachte. Alles was Göttliches, Englisches,Menschliches in der jungen Seele lag, ward hier in Anspruch genommen. Er,an der Bibel erzogen und durch ihre Kraft genährt, lebt nun mit Erzvätern,Propheten und Vorläufern als Gegenwärtigen; doch alle sind seit Jahrhun-derten nur dazu berufen, einen lichten Kreis um den Einen zu ziehn, dessen

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