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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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höchsten Ungeschmack sprichwörtlich verwendet, derselbe, welcher so langeZeit als der glänzendste, nur mit dem Michelangelo zu vergleichende Sternam Kunsthimmel gestrahlt hatte.

Bernini war schon als Kind bewundert, schon lange ein gefeierter Bildhauer,schon als der neue Michelangelo bezeichnet, ehe er sich mit dem Regierungs-antritt Urbans VIII. (16231644) der Architektur zuwendete, indem er dasTabernakel von St. Peter entwarf und ausführte, jenes Werk, welches mehrals irgendein anderes das Schicksal seines Schöpfers nach der guten wie derschlimmen Seite teilte. Aus früherer Zeit kennen wir nur die Fassade derkleinen Kirche St. Bibiana (1625), eine so schlichte, maßvolle und streng inden Formen des Domenico Fontana gehaltene Anlage, daß schwerlich jemandin ihr die Erstlingsarbeit des gewaltigen Umbildners der architektonischenFormen vermuten wird.

Eines Tages befand sich Bernini, so ist uns überliefert, mit Anibale Caracci,der aber schon 1605, als Bernini nur 6 Jahre zählte, gestorben war, und anderntüchtigen Meistern im St. Peter. Beim Umkehren soll Caracci gesagt haben,es werde eines glänzenden Geistes bedürfen, um einen Altar zu schaffen, derder mächtigen Kirche entspräche. Und der junge Bernini soll geantwortethaben: Ach, würde ich es doch! (Ah, foss io queglü). Beide Künstler warenalso im Anblick des noch leeren Domes, selbst noch vor Fertigstellung des Lang-hauses, sich einig, daß ein Altar unter die Kuppel gehöre. Und deshalb geradehierher, während doch bei allen anderen Zentralkirchen derselbe in der Ost-endung des Chores liegt, weil St. Peter zu groß ist, daß ein Wandaltar den gan-zen Bau beherrschen könnte, weil der Chor zu lang und die Kuppel zu mächtigist. Unter letzterer allein durfte der Altar stehen, wollte er, wie er doch soll,im Mittelpunkt des Interesses sich befinden. Stünde er nicht hier, so würdeSt. Peter noch weniger wie heute den Eindruck des Kirchlichen in dem Sinnemachen, daß man alsbald erkennt: hier werden gottesdienstliche Handlungenvorgenommen, statt in dem Sinne: hier ist der Frömmigkeit ein Denkmalgesetzt. Es offenbart sich in dem jungen Werk eben klar der Einflußder kirchlichen Reform. Ja, selbst Berninis Altar erfüllt den Raum noch nichtgenug, um im ersteren Sinne St. Peter dem Beschauer alsbald verständlichzu machen. Er ist keineswegs zu groß für die kirchliche Bedeutung, die er imRaum einnimmt. Er steht aber auch in künstlerischer Hinsicht am rechtenPlatz: nicht unmittelbar im Mittelpunkt der Vierung, sondern hinter dem-selben, so daß für den vom Langhaus Kommenden die Kuppel nun erst rechtüber der Konfession und dem Tabernakel schwebend erscheint.Die Form des Baues war bedingt durch die Umgebung. Noch war die Inkru-station der Kuppelpfeiler nicht vollendet. Die architektonischen Massenwaren ungegliedert und wirkten mit der ganzen Wucht ihrer Riesengroße-Neben diesen allen Maßstab überschreitenden Verhältnissen mußte der Altar,wenn er als Herz der Kirche sich Geltung verschaffen wollte, mit reich ent-wickelten Formen, neben den starren Geraden der Pilaster als bewegte Um-rißlinie, neben der architektonischen Strenge als freies, der Fesseln des Ma-terials tunlichst entledigtes Gebilde in die Erscheinung treten.Die alte Idee des Tabernakels ist durch Bernini ebenso neu als geistvoll fort-

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