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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Haus bald der Sammelplatz aller Gelehrten wurde. Nicht bloß durch seinWohlwollen, auch mit seinen Vermögen unterstützte er Künste und Wissen-schaften; er war es, der Schedels Weltchronik zum Druck beförderte. JohannLöffelholz und Johann Pirkheimer, Wilibalds Vater, holten sich ihre Bildungin Italien, studierten in Padua die Rechte, wurden Rechtskonsulenten derVaterstadt und besaßen kostbare Bibliotheken. Alle diese gelehrten Nürnbergerwaren durch Freundschaft nicht bloß untereinander, sondern auch mit einemManne verbunden, der bei der Einführung der klassischen Studien in Deutsch-land eine hervorragende Rolle spielt, nämlich mit Konrad Celtes. Dieserward im Jahre 1487 vom Kaiser Friedrich III. in Nürnberg zum Dichter ge-krönt, der erste Deutsche, der den kaiserlichen Lorbeer empfing. Er hieltsich seitdem gern in der Stadt auf; mit fast allen oben genannten Männern stander in Briefwechsel, wie auch mit Charitas, der gelehrten Schwester WilibaldPirkheimers; auf Sebald Schreyer hat er eine seiner schönsten Oden gedichtet.Bei seinem zweiten Aufenthalt in Nürnberg 1491 wollten ihm die Freundeeinen Lehrstuhl der klassischen Literatur errichten, und als er nicht festzu-halten war, wurde die Stelle seinem Freunde Heinrich Groninger verliehen.Der Zufluß so reicher Bildungselemente konnte in Nürnberg um so tiefer ein-greifen, da der Bewegung der Geister hier keine starre Autorität im Wegestand, weder eine scholastische Gelehrtenzunft noch eine mächtige Klerisei.(Moriz Thausing, Dürer, 1876.)

DER ISENHEIMER ALTAR

Man hat oft davon gesprochen, daß das deutsche Kunstleben auf seinen Höhe-punkten in einem persönlichen Doppelgipfel sich darzustellen geneigt sei,und weist dabei auf Goethe und Schiller, Mozart und Beethoven. Von vieltieferer Bedeutung als bei diesen ist die innere Gegensätzlichkeit im zeit-chen Nebeneinander bei Dürer und Grünewald. Hier liegt die Doppelungnicht in der Zufälligkeit des Persönlichen oder der schnellen Folge zweierPhasen der Abwandlung, vielmehr ist sie der notwendige Ausdruck des dasZeitalter durchaus erfüllenden Dualismus: In Dürer der Drang zum Uni-versellen, in Grünewald die scharf persönliche Prägung einer spezifisch deut-schen Tradition. In Dürer die Verpflichtung zur Sicherung der Kunst durchdie Vernunft und eine bis zur Selbstverleugnung strenge Selbstzucht; Grüne-wald ein seinem Dämon hingegebener Nachtwandler. Dürer der Technisch-Allseitige; Grünewald mit einer zu dieser Zeit ungewöhnlichen EinseitigkeitMaler und nur Maler. Dürer zu weitestem Umfang der Wirkung und desRuhmes gelangend, über die deutschen Grenzen hinaus, aber unverrücktsein Zentrum in seiner Vaterstadt nehmend; Grünewald ohne örtliche Wur-zeln, einsam, früh vergessen. Dürer umspannte die ganze Problematik derZeit, Grünewald ließ vieles, was in ihr lag, unberührt, in anderem aber gingenseine Ahnungen schon über sie hinaus. Und auch noch dieser Gegensatz:Dürers Leben und Schaffen liegt klar vor uns ausgebreitet, unser Bild vonGrünewald ist äußerlich voller Lücken, innerlich voller Rätsel. Aber letztlichist nicht nur von Gegensätzen zu sprechen; gerade weil sie im Persönlichen

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