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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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das kein Kirchenbild mehr ist. Die beiden größten Bildhauer der Epoche,Peter Vischer und Hans Backofen, haben keinen einzigen Altar geliefert.Weiter Grünewald: er hat allerdings Kirchenbilder und nur sie gemalt, abermit einer persönlichen Souveränität der Bildgestaltung, die keiner früherenZeit erlaubt gewesen wäre; dadurch gehört er, obgleich in seiner kirchlichenHaltung ein Altgläubiger, künstlerisch zur Reformation. Ein weiteres Bei-spiel: Holbeins Madonna mit der Bürgermeisterfamilie für Altgläubige ge-malt, doch ein sehr wenig altgläubiges Bild. Wie demütig hatten bis dahindie Bildnisfiguren der Stifter, zwerghaft klein, zwischen die Heiligen sichgeschmiegt oder auf den Flügeln einen Nebenplatz gesucht: hier bilden siemit der Muttergottes zusammen eine einzige Familie. Der Unterschied zwischenmittelalterlicher Devotion und der neuen, vertrauensvoll die Nähe der gött-lichen Personen suchenden Frömmigkeit kann nicht schlagender ausge-drückt sein. In alledem liegt ein freies persönliches Wollen des Künstlers,wie es früheren Zeiten unbekannt gewesen war; sie ist das genaue Seitenstückzu dem, was wir oben als religiöse Autonomie des Einzelmenschen bezeichnethaben. Der Künstler ist nicht mehr gebunden, aber auch nicht mehr ge-tragen von Massenempfindungen. Er darf selbst sein in seinem Werk; unddamit hängt weit mehr als in früheren Zeiten der Wert des Geschaffenen vondem spezifischen Gewicht der schaffenden Persönlichkeit ab. (Georg Dehio,Geschichte der deutschen Kunst, 1921 ff.)

DIE VERNUNFT ALS TRÄGERIN DER NEUEN WELTLICHKEIT

Die Hoffnungen auf eine Religion der Vernunft empfingen schon seit dem15. Jahrhundert eine immer zunehmende Stärke durch die Erfolge dieserVernunft in der Unterwerfung der Natur durch das Wissen. Die Epoche derErfindungen und Entdeckungen war bedingt durch die Veränderungen in derbürgerlichen Gesellschaft. Die fortschreitenden praktischen Ziele dieser Ge-sellschaft in der städtischen Industriearbeit, im Handel, in der Medizin ent-hielten überall neue Aufgaben. Was konnte diese Gesellschaft, deren zu-nehmende städtisch unruhige Bevölkerung nach verbesserten Produktions-mitteln und rascherem Seeverkehr verlangte, mit den scholastischen Disputier-künsten an den alten Universitäten anfangen? Nur auf dem Wege des Versuchs,der Rechnung, der Entdeckung, der Erfahrung konnte das Denken den For-derungen des Lebens genügen. Und nun lagen in derselben neuen bürger-lichen Gesellschaft, aus welcher diese modernen Aufgaben entsprangen,auch moderne Mittel ihrer Auflösung. Denn in ihr bildete sich nun im Gegen-satz zu der antiken Trennung der arbeitenden Hand von dem wissenschaft-lichen Geiste die schöpferische Verbindung der Industriearbeit mit dem wissen-schaftlichen Nachdenken. Diese Verbindung der Arbeit mit dem forschendenGeiste im Schöße einer freien bürgerlichen Gesellschaft hat das Zeitalter derAutonomie und Herrschaft der Vernunft herbeigeführt. Es entstanden Hilfs-mittel der experimentellen und messenden Wissenschaft, Erfindungen imDienste der Herrschaft der Arbeit über die Natur, wie der Kompaß, das Schieß-pulver, die Buchdruckerkunst, die fortschreitende Technik, Gläser zu schleifen.

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