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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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muß kommen, die heilige Zeit des ewigen Friedens, wo das neue Jerusalemdie Hauptstadt der Welt sein wird; und bis dahin seid heiter und mutig in denGefahren der Zeit, Genossen meines Glaubens, verkündigt mit Wort und Tatdas göttliche Evangelium und bleibt dem wahrhaften, unendlichen Glaubentreu bis in den Tod. (Novalis, Die Christenheit oder Europa, 1799.)

GESCHICHTLICHE EINREIHUNG DES CHRISTENTUMS: SCHLEIER-MACHER

Aus dem Wesen des Christentums folgt seine Geschichte. Die Hauptidee desChristentums von göttlich vermittelnden Kräften hat sich auf mancherleiArt ausgebildet und alle Anschauungen und Gefühle von Einwohnungender göttlichen Natur in der endlichen sind innerhalb desselben zur Vollkommen-heit gebracht worden.So ist sehr bald die heilige Schrift, in der auch diegöttliche Natur auf eine eigene Art wohnte, für einen logischen Mittler gehaltenworden, um die Erkenntnis der Gottheit zu vermitteln für die endliche undverderbte Natur des Verstandes, und der heilige Geist, in einer späteren Be-deutung des Wortes, für einen ethischen, um sich ihr graduell anzunähern;und eine zahlreiche Partei der Christen erklärt noch jetzt bereitwillig jedenfür ein vermittelndes und göttliches Wesen, der erweisen kann, durch eingöttliches Leben oder irgendeinen andern Eindruck der Göttlichkeit auch nurfür einen kleinen Kreis der Beziehungspunkt aufs Unendliche gewesen zusein. Anderen ist Christus eins und alles gewesen, und andere haben sich selbstoder dies und jenes für sich zu Mittlern erklärt." So sind Anschauungen undGefühle hervorgetreten,von denen in Christo und in den heiligen Büchernnichts steht". Noch sind große Gegenden in der Religion für das Christentumnicht bearbeitet worden. Andere Anschauungen werden daher noch hervor-treten.

Das Christentum wird noch eine lange Geschichte haben. Wie sollte es auchuntergehen? Die Grundanschauung jeder positiven Religion an sich ist ewig;daß aber diese Grundanschauung gerade als Mittelpunkt der Religion angesehenwerde, dies gehört einer bestimmten Lage der Menschheit an. Und wie sievorübergeht, kann die Religion in dieser Gestalt nicht mehr existieren. Soist eine lange Reihe von Religionen vorübergegangen. Wird nun auch für dasChristentum der Untergang kommen wie für jene?Das Christentum, übersie alle erhaben und historischer und demütiger in seiner Herrlichkeit, hatdiese Vergänglichkeit seiner Natur ausdrücklich anerkannt: es wird eine Zeitkommen, spricht es, wo von keinem Mittler mehr die Rede sein wird, sondernder Vater alles in allem. Aber wann soll diese Zeit kommen? Ich fürchte, sieliegt außer aller Zeit. Die Verderblichkeit alles Großen und Göttlichen in denmenschlichen und endlichen Dingen ist die eine Hälfte von der ursprünglichenAnschauung des Christentums; sollte wirklich eine Zeit kommen, wo diesesich nicht mehr aufdrängte?"Ich wollte es, und gerne stände ich auf denRuinen der Religion, die ich verehre." (Wilhelm Dilthey, Leben Schleier-machers, 1870.)

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