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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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und liebevoll nacheifert, seine Verdienste anerkennt, sie hochpreist und ebendeswegen ihm ähnlich, ja gleich zu werden bemüht ist. Welch ein Unterschiedzwischen beiderlei Richtung I wodurch im allgemeinen die geistigen Bedürf-nisse der zwei Geschlechter ausgesprochen werden. Daraus mag es auch zuerklären sein, daß zartere Männer sich an die Mutter Gottes gewendet, ihr,als einem Ausbund weiblicher Schönheit und Tugend, wie Sannazar getan,Leben und Talente gewidmet und allenfalls nebenher mit dem göttlichenKnaben gespielt haben.

Wie meine beiden Freunde zueinander standen, wie sie gegeneinander gesinntwaren, erfuhr ich nicht allein aus Gesprächen, denen ich beiwohnte, sondernauch aus Eröffnungen, welche mir beide insgeheim taten. Ich konnte wederdem einen noch dem andern völlig zustimmen: denn mein Christus hatte auchseine eigne Gestalt nach meinem Sinne angenommen. Weil sie mir aber denmeinigen gar nicht wollten gelten lassen, so quälte ich sie mit allerlei Para-doxien und Extremen, und wenn sie ungeduldig werden wollten, entfernte ichmich mit einem Scherze.

Der Streit zwischen Wissen und Glauben war noch nicht an der Tagesord-nung, allein die beiden Worte und die Begriffe, die man damit verknüpft,kamen wohl auch gelegentlich vor, und die wahren Weltverächter behaup-teten, eins sei so unzuverlässig als das andere. Daher beliebte es mir, michzugunsten beider zu erklären, ohne jedoch den Beifall meiner Freunde gewin-nen zu können. Beim Glauben, sagte ich, komme alles darauf an, daß manglaube; was man glaube, sei völlig gleichgültig. Der Glaube sei ein großesGefühl von Sicherheit für die Gegenwart und Zukunft, und diese Sicherheitentspringe aus dem Zutrauen auf ein übergroßes, übermächtiges und uner-forschliches Wesen. Auf die Unerschütterlichkeit dieses Zutrauens kommealles an; wie wir uns aber dieses Wesen denken, dies hänge von unsern übrigenFähigkeiten, ja von den Umständen ab und sei ganz gleichgültig. Der Glaubesei ein heiliges Gefäß, in welches ein jeder sein Gefühl, seinen Verstand, seineEinbildungskraft, so gut als er vermöge, zu opfern bereit stehe. Mit dem Wissensei es gerade das Gegenteil; es komme gar nicht darauf an, daß man wisse,sondern was man wisse, wie gut und wie viel man wisse. Daher könne manüber das Wissen streiten, weil es sich berichtigen, sich erweitern und verengernlasse. Das Wissen fange vom Einzelnen an, sei endlos und gestaltlos undkönne niemals, höchstens nur träumerisch, zusammengefaßt werden undbleibe also dem Glauben geradezu entgegengesetzt.

Der Begriff von der Menschheit, der sich in ihm und an seiner Menschheitherangebildet hatte, war so genau mit der Vorstellung verwandt, die Lavatervon Christo lebendig in sich trug, daß es ihm unbegreiflich schien, wie einMensch leben und atmen könne, ohne zugleich ein Christ zu sein. Mein Ver-hältnis zu der christlichen Religion lag bloß in Sinn und Gemüt, und ich hattevon jener physischen Verwandtschaft, zu welcher Lavater sich hinneigte,nicht den mindesten Begriff. Ärgerlich war mir daher die heftige Zudringlich-keit eines so geist- als herzvollen Mannes, mit der er auf mich sowie auf Mendels-sohn und andere losging, und behauptete, man müsse entweder mit ihm ein

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