der Herr mir Holzäpfel vorlegte und hieße mich nehmen und essen, so dürfteich nicht fragen, warum?" — „Gott heißt uns weder Mist noch Holzäpfelessen", sprach Zwingli. — Kam es zu solchen Spitzworten, so mischte sichetwa der Landgraf ein oder einer der andern Anwesenden, bisweilen lösteökolampad seinen Freund ab, bisweilen Melanchthon den Luther. Zweivolle Tage dauerte die immer fruchtlosere Unterredung. Sichtbar waren dieSachsen durch Zwingiis zwangloses Wesen, seine freie Sprache geärgert.Deutlich gab Zwingli zu verstehen, daß er in Luthern eine Art neuen Papstesbesorge. „Ich will es nicht haben", war diesem einmal entfahren, „ich willes nicht." — „Muß man denn gerade alles haben, was ihr wollt?" fragteZwingli.
Dem Landgrafen war klar geworden, daß ein gegenseitiges Verständnis un-möglich sei. Es ward ihm noch klarer, als nun noch der Stadtmeister vonStraßburg mit einer Art Klage aufstand, daß Luther auch die Prediger seinerStadt der Irrlehre bezichtigt habe. Dieses dürfe nicht auf ihnen liegen blei-ben, er mit solchem Berichte nicht heimkehren. Bucer und Hedio selbst ver-langten von Luther, er solle bestimmt heraussagen, worin, und beweisen, daßsie falsch lehren; könne er dieses nicht, ihnen ein Zeugnis ausstellen, daß sietreue Hirten seien. „Ich bin" — sprach dieser — „weder euer Herr nocheuer Richter, ihr wollet weder mich noch meine Lehre, unser Geist und euerGeist reimt sich auch nicht zusammen; darum gebe ich euch kein Zeugnis.Ihr bedürft dieses auch nicht, denn überall rühmt ihr ja, ihr hättet von unsnichts gelernt. Dieses sieht man übrigens von selbst und wir möchten auchnicht solche Jünger haben."
„Nein" — erklärte mit Wärme der Landgraf — „auf diese Weise, ihr Herren,dürft ihr nicht von hier scheiden. Ihr müßt bestimmte Sätze aufstellen, wo-rüber ihr eins seid, und gemeinsam sie unterzeichnen, damit wenigstens einäußeres Zeichen eurer Verständnis vorhanden ist, wenn die innere nicht er-reicht werden kann. Unterhandelt miteinander wie und so lange ihr wollt;aber vorher kann ich euch nicht entlassen." Die Theologen fügten sich, undden 4. Oktober kamen fünfzehn Artikel über die Hauptlehren zustande, die vonLuther, Melanchthon, Jonas, Osiander, Brenz und Agricola von der einenvon ökolampad, Zwingli, Bucer und Hedio von der andern Seite unterzeichnetwurden. Das Schlußwort hieß also: und wiewohl aber wir uns, ob der wahreLeib und Blut Christi leiblich in Brot und Wein sei, dieser Zeit nicht verglichenhaben, so soll doch ein Teil gegen den andern christliche Liebe, sofern jedesGewissen immer mehr erleiden kann, erzeigen und beide Teile Gott den All-mächtigen fleißig bitten, daß er uns durch seinen Geist in dem rechten Ver-stand bestätigen wolle. Amen.
Noch hatte beim Schlüsse der Landgraf sie ermahnt, als Brüder auseinander-zugehn. Zwingli sagt darauf — nach Bullingers Erzählung — „Es wärendkeine Leut auf der Erden, mit denen er lieber wollt eins sein, dann mit denWittenbergern, und er wolle auch gern Luther und die seinen als Brüder er-kennen." Derselben Meinung war auch ökolampadius, Bucerus und Hedio;aber Luther wollte sie hinwider keineswegs als Brüder erkennen und sprach:„Es nehme ihn Wunder, daß sie ihn, dessen Lehr vom Sakrament sie für
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