Druckschrift 
Handbuch der Philosophie :
(der Logik, Metaphysik, Moral- und Rechtsphilosophie)
Entstehung
Seite
310
Einzelbild herunterladen
 

31tt

daß d« dabei an dein Ich, oder an andere Menschendenkest." Dieses Princip enthält wabre, praktische Weisheit, undheißt mit andern Worten:Thue das, was mit den Zwecken dervernünftigen Natur ubereinstimmt, was keinem höbcrn Gute dervernünftigen Natur widerspricht; achte, liebe die Würde der Ver-nunft, die fortdauernde, alles Uebrige weit übertreffende Bei-nunftkraft. .

Da diese vier Bedeutungen möglich sind; so ist es wohl nichtzweckmäßig, gegen das aufgestellte Princip zu toben, als sagtees:Befördere den Eigennutz (und siehe nur auf dein Wohl)!Strebe nach dem höchsten sinnlichen Vergnügen. Suche deinenTrieb nach Glückseligkeit zu befriedigen. Handle dabei allenfallsauch dem Triebe der Nächstenliebe gemäß."

Uebrigens sind gegen jenes Princip folgende allgemeine Bemer-kungen nicht zu übersehen: I. Als Materialpriucip ist csschwankend. Was macht mich, was andere wahrhaft glückselig(da die Urtbeile hierüber so verschieden sind)? 2. Es ist keinFormalprincip. Man weiß ja nicht, warum und wie mansich und andere glückselig machen soll. 3. Cs ist überhaupt zwi-schen Sittlichsevn und Glücklich-, Glückscligsey» ein Un-terschied. Ist der Sittlichgute rücksichtlich seiner Gesundheit, seinesVermögens, seiner Ehre, ja wohl selbst seiner vielen Sorgen,Aengstc, Selbstkämpfe . . . immer und überall glücklich, glückse-lig? 4. Wie will man einige Pflichten, z. B. die Pflicht derAufopferung seines Lebens für Wahrheit und Tugend hieraus be-weisen? Dazu, daß ich mein Leben dem Sittlichguten frcithätig»achsctzen könne, wird schon die Kcnntm'ß des Sittlichguten er-fordert.

* Biele Kantianer, welche gegen dieses Princip so schrecklich zu Feldeziehen, nehmen eS doch bei der Bestimmung desjenigen, was in eineallgemeine Gesetzgebung paßt, wieder auf, und sagen:1. Was siedselbst nicht widerspricht: r. was mit meiner Glückseligkeit, mit demwesentlichen Zwecke meiner Natur ubereinstimmt; ;. was das allge-meine Weltbeste befördert, ist gut."

** Ist das GlückseligkcirSprincip ein wahres Criterium der Sittlichkeit?Ohne Zweifel; denn es beißt mit andern Worten:Was (alle gegen-wärtige Umstände berechnet), wahrhaft physisch gut ist (mit demwesentlichen Gute der vernünftigen Natur übcreinstimmet, also keinemböbern möglichen Gute widerstreitet, daher auch mit dem allerhöchstenGute, mit G»rt, dem Allvollkvmmenen, Aehnlichkeit hat), das istauch sittlichgut, wenn cs freitbätig geschieht. Thue also dieseswahrhaft physisch Gute (dieses in allen gegenwärtigen Umstän-den wesentlich Gute, selbst mit dem letzten Ziele des Menschen jmicGott) wesentlich Uebereinstimmende) mir Freiheit des Willens,ohne auf die zufälligen (vortbeilbaften oder nachtheiligen! Fol-gen, z. D. auf das etwaige zufällige Benehmen Anderer dabei, aufihr Entgegen - oder Mitwirken zu sehen. Ein solches Handeln ist aberoffenbar der wahren Weisheit gemäß, indem nur die falscheWeisheit das Wesentliche bei Seite setzend die zufälligen angenehmenFolgen im Auge hat, und sich von gegenwärtigen oder sehr bald zuhoffenden zeitlichen Vortbeilen bezaubern läßt. Jenes Handeln gehtauch nothwendig aus der Achtung der Vernunft hervor, diemir sagt:Laß dich nicht durch die Vorspiegelung« der Sinnlichkcll