L. 181.
III. AuS den beiden Regeln über die Angemesscnbeit und Ab-gemeffenheit fließen folgende negative Regeln.: 1. Das zu Er-klärende werde nicht in der Erklärung (im Prädikate)mit den nämlichen oder mit andern Worten, unmit-telbar oder mittelbar, wiederholt, oder kurz: „Die De-finition muß keine Zirkelerklärung seyn." Denn hie-durch wird man nicht (wie doch durch die Definition geschehen soll)in den Stand gesetzt, die Objekte von allen andern zu unterschei-den. Fehlerhafte Beispiele: Eine klare Vorstellung ist jene,welche das Objekt klar vorstellt. Dankbarkeit ist Erkenntlichkeit.Schön ist dasjenige, was den ästhetischen Geschmack befriedigt. Undder ästhetische Geschmack ist das Vermögen, das Schöne zu empfin-den und zu beurthcilen. Ein Tag ist der Raum von 24 Stunden;eine Stunde aber ist der 24stc Theil des Tages.
2. Die Definition sey nicht bloß negativ. Sie muß jadas Gattungs- und das Unterscheidungsmerkmal anführen, kannalso nicht bloß negativ seyn. Ausgenommen von dieser Regel er-scheinen die negativen Begriffe (z. B. Blindheit, Unvernunft...);jedoch enthalten diese Begriffe nur die Negation der positivbestimmten Begriffe, drücken also nur das Negative der po-sitiven (wirklich angeführten) Merkmale aus.
3. Die Definition geschehe nicht durch eine Dis-junktion (enthalte nicht Gntheilungsglieder des Umfanges vomSubjekte, — n« 6at per äisjuneta, sie scy keine Eintheilung).Bei einer Definition will man ja den Inhalt, nicht den Um-fang eines Begriffes wissen.
* Diese drei Regeln betreffen das Was der Definition; die folgende aber
das Wie.
§. 182.
IV. Die Definition muß verständlich, deutlich seyn;daher nur solche Ausdrücke enthalten, die 1. dem Sprachgebrau-ch e gemäß, oder widrigenfalls durch ausdrückliche Bemerkungenihrem Sinne nach eigens bestimmt sind, — 2. die nicht bildlich(also nicht einer weitern Erklärung bedürftig), oder die wenigstensschon eingebürgert sind; — 3. die nicht durch einen großenWortschwall, durch Tautologien, Umschreibungen . . .dem Verstände sowohl, als dem Gedächtnisse lästig sind.
Fehlerhafte Beispiele: Zu 1.: Gottesfurcht ist eine.Furcht vor Gott, ein Fliehen von Gott (in diesem Sinne nimmtman das Wort „Gottesfurcht" nach dem gewöhnlichen Sprachge-brauchs nicht). Zu 2.: Das Gewissen ist eine Stimme in uns,welche uns zum Guten hinruft, und vom Bösen abhält. Zu 3.:Neid ist jene verdammte Leidenschaft, die, wenn der Nächste denGipfel des Glückes besteigt, voll Ingrimm Hand anlegen möchte,um ibn herunter zu reißen, nnd sich über jedes Glück der Menschenbetrübt, grämt, abharmt, bloß weil andere Menschen dieses Glückhaben.