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Zweiter Abschnitt:
Begriffe, Urtheile, Schlüsse.
1. Von den Begriffen.
Erklärungen.
§. 57 .
Ein Begriff ist eine allgemeine Vorstellung, d. i. eine Vor-stellung, die sich auf mehrere Gegenstände bcziebt (mebrere Gegen- lstände umfaßt). Deswegen wird ein Begriff auch eoneeptusgenannt. lXvtia heißt er deswegen, weil er eine oder mehrereTbeilvorstellungen enthält, wodurch man die Gegenstände bezeichnet,bem.rklich macht (notirt).
Da man vermittelst eines Begriffes nicht unmittelbar gera-de diesen einzelnen Gegenstand, sondern mehrere Gegenstände,aber unbestimmt, welchen insbesondere, bezeichnet; so wird ein Be-griff auch eine mittelbare Vorstellung genannt, indem wir ver-mittelst der Vorstellung einer gewissen Art von Gegenständen end-lich auch einen individuellen, hierhin gehörigen Gegenstand uns ver-stellen können.
Warum ein Begriff auch eine abstrakte Vorstellung genanntwerde, erhellet ans folgenden Bemerkungen: Wir stellen uns z. B.dieses Dreieck vor, welches eine bestimmte Größe der Linien hat;dann jenes Dreieck, welches wieder eine andere Größe der Linienbat; dann ein Dreieck, worin alle Winkel gleich sind, und ein an-deres, worin das nicht ist. Wir vergleichen nun diese verschie-denen Dreiecke, reflektiren ans dasjenige, worin alle Dreieckeübereinstimmen, abstrahircn aber (lenken unsere Aufmerksamkeitweg) von demjenigen, worin sie verschieden sind, erfassen (kom-prebcndiren) die gemeinschaftlichen Merkmale, und stellen sic,nachdem wir alle znsammengefaßt (cvneipirt) haben, in folgen-der allgemeinen Vorstellung zusammen: „Ein Dreieck ist ein vondrei Seiten eingcschlosscner Raum." — Der Ausdruck „von Etwasabstrahircn (von den Verschiedenheiten) ist unterschieden von dem <Ausdrucke „Etwas abstrahiren" (Etwas herausheben, indem manvon den Verschiedenheiten abstrahirt), also die gemeinschaftlichenMerkmale abstrahiren — trennen von den Verschiedenheiten. Aus ,diesem Grunde wird ein Begriff auch eine abstrakte Vorstellung ^genannt, im Gegensätze von einer konkreten Vorstellung, d. i.von einer Jndividualvorstellnng, die aus den (mit andern Gegen-ständen ibrcr Art) gemeinschaftlichen und ans noch besondern Merk-malen, die von jenen verschieden sind, besteht (gleichsam zusam-inengewachsen ist).
Oft verbinden wir einen Begriff (z. B. Mensch) mit einem an-dern Begriffe (z. B. gelehrt); dann ist der Begriff (als ein durchSynthesis (Zusammensetzung) entstandener) nothwendig ein zusam-mengesetzter Begriff (der aber auch noch immer eine abstrakteVorstellung ist, da sie noch immer von dem Individuellen getrennt