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losoph soll freilich selbst denken, nicht andern nachbeten: aber werwürde wohl von einem Solchen, welcher die von Andern bearbei-tete Mathematik nicht etwa historisch auffaßt, sondern selbst durch,denkt, sie in sein Eigenthum verwandelt, sie durch systematischeAnordnung, Vervollständigung in ihren Folgerungen und Princi-pien bereichert, sagen wollen, dieser sey kein Mathematiker, erhätte kein Buch über Mathematik lesen, keinen Lehrer über Mathe,matik hören, sondern Alles aus sich schöpfen müssen?
Die irrigen Ansichten einiger Philosophen habe ich, ohne denRainen derselben anzuführen, z» berichtigen gesucht, um durchausnicht in den Fehler derjenigen zu verfallen, die anders Dankendepersönlich beleidigen, dadurch Viele vom Lesen der Werke solcherMänner abhalten und sehr viel Gutes verhindern.
Ueberhaupt, glaube ich, ist es bester, die Annäherungspnnkteder Philosophen nachzuweisen, und dahin zu arbeiten, daß, so vielmöglich, die Uebereinstimmung der Philosophen allmählig vorberei-tet und herbeigeführt werde. Diese Uebereinstimmung ist ja nichtunmöglich. Die Vernunft ist überall Vernunft, die Vernunftgesetzesind in jedem Menschen Vernunftgesetze, wornach wir denken, er-kennen, handeln sollen. Keinem wahren Philosophen, so muß manmit Rechte voraussctzen, ist es um Rechthaberei, um Durchsetzungseines Systems zu thun. Jeder strebt nach Wahrheit, und ist,wenn ihm nicht auf eine grobe, empfindliche Art ein Fehler in sei-nem Systeme aufgedeckt wird, gewiß nicht abgeneigt, der Wahrheitden Sieg einzuräumen. Sollte es nicht allmählig möglich werden,daß die Philosophen gemeinschaftlich den einzig rechten Hauptweg
ren lassen, gegen einander beobachtet haben. Selbst im achtzehntenund neunzehnten Jahrhunderte glaubt man sich oft plötzlich in dieBarbarei früherer Zeiten zurück versetzt. Im Gegenthcile hat diedankbare Anerkennung der Verdienste ihrer Vorgänger, das Fortge-hen auf der ihnen geöffneten Bahn, die Beibehaltung des durch siegefundenen Wahren, und die Ergänzung ihrer Arbeiten, so wiedie bescheidene Würdigung der eigenen Leistungen andere Ge-lehrte mehr befreundet, und dadurch in ihren gemeinsamen Studienmehr gefördert."