Druckschrift 
Beiträge zur Kenntniss der melanesischen, mikronesischen und papuanischen Sprachen
Entstehung
Seite
383
Einzelbild herunterladen
 

II]

MELANESISCHE etC. SPRACHEN.

383

Sprache ihrer neuen Heimath vertraut zu machen; nicht immer aber, man denke an die Australierinnen, geben sie sich die Mühe, undihren Kindern wird voraussichtlich die Sprache der Mutter zugleichMuttersprache sein und als solche ihnen anhaften und in ihrer Sprech-weise nachwirken, wenn sie längst in die Gemeinschaft der Er-wachsenen aufgenommen sind. Hier hätten wir einen Fall doppelterVerwandtschaft im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine zweite, von der vorigen ganz verschiedene Frage ist die:Wird die Mischsprache ausschliesslich dem Verkehre vom Volke zuVolke Vorbehalten bleiben, sodass beide je unter sich ihr reines Idiomweiter sprechen, oder wird beim einen oder anderen Volke all-mählich der Mischling sich in die heimische Sprache eindrängen, viel-leicht gar sie verdrängen? Nachhaltigkeit und Lebhaftigkeit des Ver-kehrs mit den Fremdlingen, aber auch Zähigkeit oder Trägheit deseingeborenen Volkes dürften hier bestimmend sein.

Es wäre ein Leichtes in solchen Fragestellungen noch eine Weilefortzufahren. Wir verzichten darauf. Besteht eine malaiisch-melane-sische Sprachverwandtschaft, so ist dieselbe entweder rein oder ge-mischt. Ist sie rein, so beruht sie entweder auf gemeinsamer ethni-scherAbstammung, oder auf Sprachtauscb. Beides däuchte uns nichtschlechtweg unmöglich, Beides nicht wahrscheinlich. So ergab sichdie Nothwendigkeit an Sprachmischung zu denken. Dieser Gedankewollte vor Allem vom Scheine der Ungeheuerlichkeit befreit sein,welchen er selbst jetzt noch in Mancher Augen haben könnte. Umdies zu erreichen, haben wir versucht, die Möglichkeit der Sprachen-mengung a priore zu erwiesen und durch Thatsachen zu belegen. Unsscheint der gemeinhin angenommene Gegensatz zwischen Entlehungund Mischung nicht ächt, nicht stichhaltig, wir meinen, man habeals Gegensatz aufgefasst, was in der That nur gradweiser Unter-schied ist.

Sind die melanesischen Sprachen gemischte, so entstehen zweiweitere Fragen:

1. Welches war die Ursprache oder waren die Ursprachen derschwarzen Insulaner vor dem Eindringen der malaio-polyne-sischen Elemente? und

2. Vorausgesetzt, dass jene einheitlich gewesen: war es auchdie Mischung?