Druckschrift 
Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte
Entstehung
Seite
357
Einzelbild herunterladen
 

357

Genie und Irrsinn.

schönen Künste, besonders der Musik, verzögerten; bis 1460gab es daselbst wenige und nur fremde Malerberühmtheiten(Bono, Bodinforte); aber nach Bodinforte, den man ausMailand hatte kommen lassen, folgten bald Sodoma, Mar-tini, Giovannone Vercellese, und nach Ferro von Valduggiakamen bald Lanini und Taust von Valduggia, sowie nachdem Geigenspieler Viotti binnen kurzem fünf berühmteViolinisten.

Kaum erschienen in Novara, Alba und Vercelli her-vorragende Meister, wie Macrino, Gaudenzio Ferrari, alsauch sehr bald noch andere ebendaselbst auftraten; und seitdaselbst der militärische Einfluß völlig von dem socialenüberwunden worden ist, giebt es jetzt in den letzten Jahrendort verhältnismäßig sehr viele hervorragende Männer, mehrals in den andern Provinzen, sowohl der Zahl als demWerte nach; z. B. Gastaldi, Mosso u. s. w.

Wer vor 300 Jahren in Schottland eine Statistik derDenker anfgenommen hätte, würde vielleicht nur einen ein-zigen gefunden haben; und doch wurde dies Land, nachdemes den Mantel religiöser Unduldsamkeit abgeworfen, einerder an kühnen und originellen Gelehrten reichsten PunkteEuropas.

Umgekehrt zeigt Griechenland, dem Natur und Rassein alten Zeiten die oberste Stelle in betreff der schönenKünste in Europa gaben, jetzt, ungeachtet die eine undder andere dieselben geblieben, keine Spur mehr davon; seies, weil erstens die Sklaverei, sodann die politischenKämpfe seine Kräfte verzehrten, sei es infolge des Ver-falls des Wohlstandes und der Schulen. Denn ein Volkerlaubt sich nicht den Luxus der Künste und des höherenDenkens, wenn ihm nicht auch ein leichtes, kraftvolles Ge-deihen sicher ist; und dies ist ein Punkt, wo der Einflußder Anhäufung durch den Mangel des Wohlstandes auf-gehoben werden könnte.

Wenn man einen Vergleich mit den Wahnsinnigen