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Genie und Irrsinn.
Lenau sicht, im Gegensatz zu allen Dichtern, in seinem„Hypochonders Mondlied" in dem kalten, luft- und wasser-losen Mond „den Totengräber der Planeten"; „den Schlä-fern um den Leib zu schlingen sucht er sein feines Silber- -
netz; er führt sie zum Tode; er winkt die Nachtwandlerzu sich und führt sie irre, und erteilt den Dieben Rat-schlage." — Er, der in der Jugend nicht wenige Malegeschrieben hatte: „Der Mysticismus ist ein Zeichen vonWahnsinn", verfiel sehr oft, besonders in seinen letztenLiedern, ins Mystische.
Im Koran ist kein Kapitel, welches mit dem andernübereinstimmt; vielmehr sind, in ein und derselben Surate, >die Gedanken unzusammenhängend oder gänzlich ungeschicktzusammengestellt.
Addison, von Swift redend, sagt: es ist Wahnsinn inseinen Betrachtungen über das Ungereimte, in seinem Mathe-matiker, der die Probleme vom Schüler verschlucken läßt,in seinem Landwirt, der die Exkremente destilliert, undin seinem menschenfreundlichen Vorschläge, die Kinder zuschlachten und davon Speise für das Volk zu bereiten I
Mir scheint, daß bei den großen Schriftstellern, welche §Alkoholisiert sind, ein nur ihnen ganz eigentümlicher Stildurchblickt, dessen Kennzeichen ein kalter Erotismus undeine mehr absonderliche als schöne Ungleichheit sind, dankder allzu zügellosen Phantasie, den häufigen Verwünsch-ungen, den herben Übergängen von der düstersten Melan-cholie zur ausgelassensten Lustigkeit; sowie ein in die Augenfallender Hang, den Wahnsinn, den Alkoholismus und diefinstersten Todesscenen zu schildern. Baudelaire schreibt:„Poe liebt es, seine Figuren auf grünlichem oder violettemBoden zu bewegen, wo sich das Phosphorleuchten der Fäul-nis und die Räucherdüfte des Sturmes und der Gelage .offenbaren, er stürzt sich in das Groteske, aus Liebe zumGrotesken, in das Schreckliche aus Liebe zum Schreck-lichen."