Druckschrift 
Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte
Entstehung
Seite
253
Einzelbild herunterladen
 

253

Genie und Irrsinn.

nauigkeit predigen, daß in 80,OM Jahren der Mensch144 Jahre leben wird, daß wir alsdann 37 MillionenPoeten (Barmherzigkeit!) haben werden, und auch 37 Mil-lionen Naturforscher von der Stärke Newtons; — vonLemercier, der unter sehr schönen Dramen einige hat, indenen die Ameisen, die Mündungen der Flüsse und dasMittelländische Meer Gespräche führen; — von Burchielli,der von den Malern verlangte, ihm ein Erdbeben in derLuft zu malen, und einen Berg beschreibt, der einem Glocken-turme Brillen aufsetzt! — und ebenso spricht er von derErbin des Confuctus, von dem Astronomen, der den frei-sinnigen Gott erschafft, von dem Pseudogeologen, der dasGeheimnis einer Einbalsamierung besitzt, die jedem belie-bigen unserer Anatomiediener glücken würde, und der dieWelt durch die Leichenverbrennung zu reinigen glaubt; —von Renouvter, „dessen Kritik die Existenz eines periodischenaber fortschreitenden Gesetzes zuläßt, und die Gestaltung,die Unterhaltung, die Ausdehnung, die Wiedergeburt derPhänomene, aus denen die Person (hört!) in der Weltzusammengesetzt ist!!"

An einer großen Universität Italiens lehrte viele Jahreein Mann, der in seinen Schriften die Nation der „Cagoti"geschaffen und ein gewisses Instrument zur Rettung Er-trunkener Leigebracht hatte, das genügt hätte, einen Ge-sunden tot zu schlagen; ein Mann, der von Bädern von— 20° spricht, und von den Vorteilen des von denFischen auSgeatmeten Seewassers. Und doch enthalten seineWerke sehr schöne Sachen und erschienen in zweiter Auf-lage; und kein Kollege hatte ihn im Verdacht der Ver-rücktheit. Unter welche Schar könnten wir ihn reihen?Gewiß in eine Mittelstraße zwischen Narr, Mann von Genieund Graphomane, die mit ihm die Unfruchtbarkeit der Zieleund das ruhige, hartnäckige Aufsuchen von Paradoxen ge-mein haben.

Diese Fälle beweisen uns, daß die Abstufungen und