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Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte
Entstehung
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251
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Genie und Irrsinn. 251

sophisches System ist im Grunde dem ihrigen sehr ähnlich,außer daß er dasselbe mit seinein Wahnsinn spickt.

Es ist interessant, in diesem Falle zu beobachten, welchverschiedene Färbung der Wahnsinn je nach dem Zeitalterannimmt. Versetzen wir Bostsio in das mittelalterlicheSpanien oder Mexiko, und der gutmütige Befreier derVögel und Märtyrer der Nachwelt würde ein St. Ignatiusoder ein Torquemado geworden sein, und der positivsteAtheist ein Ultrakatholik, dem ein grausamer Gott befohlen,menschlichen Opfern die Kehle abzuschneiden. Aber wir sindin Italien, im Jahre 1870.

Dieser Fall stellt uns deutlich vor Angen, auf welcheWeise in früheren Zeiten bei wilden oder ungebildetenVölkern so viele Fälle epidemischen Wahnsinns sich zu-trugen, und so viele historische Begebenheiten durch denIrrwahn eines Einzigen oder Weniger hervorgerufcn wer-den konnten, wie zum Beispiel die Wiedertäufer, die Geißeler,die Hexen, die Revolutionen der Taiping. Der Wahnsinnerregt bei einigen absonderliche, aber allemal riesenhafte Vor-stellungen, und einen Irrwahn, der mehr bewirkt als eineeinzelne Überzeugung, sodaß es ihnen glückt, die schwacheMenge nachzuziehen; und diese wird um so mehr angelockt vonder Seltsamkeit der Kleidung, des Benehmens und derEnthaltsamkeit, die nur eine solche Krankheit cinflößen undgestatten kann, als die Barbarei ihnen diese Phänomeneunerklärlicher und daher der Verehrung würdiger macht;wie denn der Unwissende immer aubetet, was er nicht zufassen vermag (Siehe Kapitel X).

Nichts fehlte in der That unserm armen Verblendeten,um ihn in seinen Ansichten zu befestigen; weder die Krafteiniger Gedanken, noch die Muskelstärke, weder die außer-ordentlichen Entbehrungen, noch die Überzeugung. Nureins fehlte ihm zum Glück, das günstige Jahrhundert,sonst würde Italien in Bostsio seinen Mahomet gehabthaben.