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Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte
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Genie und Irrsinn.

Bei einigen der angeführten hundcrtundsieben Geistes- ;kranken schärfte der Irrsinn früher vorhandene Neigungenund Anlagen; allen aber verlieh derselbe einen energischenHang zur Beschäftigung, zur Arbeit. „Man sollte glau-ben," so schrieben mir De Paoli und Adriani, „dieselbenarbeiteten für Bezahlung; Mauern und Tische, und im ischlimmsten Falle sogar den Boden, bedecken sie niit ihrenZeichnungen." In einem derselben bemerkte Adriani eineso hohe Kunstfertigkeit, daß eine von ihm angcfertigteKopie der Madonna Raphaels auf die Ausstellung geschicktwurde, wo man nicht umhin konnte, ihr den Preis zu er- steilen. Eben Adriani hatte einen Ebenisten in Behandlung ^(und ein Gleiches beobachteten Morselli in Macerata und !Tamburin! in Reggio), welcher an intermittenten Geistes- ^störungen litt und unter dem Einflüsse derselben geradezubewunderungswürdige Arbeiten ausführte. — Mignoni, derberühmte Maler von Reggio, Bruder eines Fallsüchtigen,Sohn eines hysterischen Vaters und wurde wegen Trüb-sinns in das Irrenhaus zu Reggio ausgenommen, wo ervierzehn Jahre in vollkommener Unthätigkeit zubrachte; aufAntrieb des Zani griff er wieder zum Pinsel und schmücktealle Wände mit den schönsten Gemälden. So malte er unterandern die Geschichte des Grafen Ugolino*) in so lebhafterDarstellung, daß eine der weiblichen Kranken fortwährendFleisch an die Wand warf, damit der Vater und seineKinder nicht Hungers sterben möchten; heute noch trägtjene Wand die Spuren des Fettes. (Tagebuch des Irren-hauses zu Reggio.)

Im Jrrenhause zu Siena lebt, nach der Aussage desausgezeichneten Doktors Funojoli, seit zehn Jahren ein an

*) Siehe Dante, Göttliche Komödie: Die Hölle, Gef. 33. GrafUgolino Ugolini wurde mit seiner Familie in einen Kerker gesperrt,wo sie alle Hungers starben. Die Schilderung ihres Geschicks ist eine ^der ergreifendsten und berühmtesten Stellen in DanteS Göttl. Kom. §

Anmerkung des Übersetzers. 4