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Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte
Entstehung
Seite
91
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Genie und Irrsinn.

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zu bereiten, seinen geliebten Sohn verurteilten. Er istsogar überzeugt, daß ihn die Professoren der Universitätvon Pavia eigens zu einem Gastmahl einluden, um ihmGift zu reichen. Nur dem Beistände des heiligen Martinund der Jungfrau Maria verdankt er es, ihren heimtückischenSchlichen entgangen zu sein. So sprach und dachte einMann, den man kühn als einen Vorläufer des Renan undDupuis bezeichnen kannl

Er selbst bekennt, vielen Lastern zu fröhnen, sagt selbst,er sei dem Trünke, dem Spiele, der Lüge, dem Neid, derUnzucht ergeben. Viermal und zwar stets wenn der Voll-mond schien, behauptet er, sich in einem Zustande voll-kommenen Irrsinns ertappt zu haben.

Er war von so krankhafter Empfindlichkeit, daß er sichnicht wohl fühlte, wenn ihm der Stachel irgend eineskörperlichen Schmerzes fehlte; nicht selten biß er sich daherLippen und Arme blutig. „Hatte ich keinen Grund zuSchmerzen, so suchte ich einen solchen auf, um die Lust zugenießen, welche sich allemal mit dem Aufhören desLeidens verbindet; ich habe beobachtet, daß, wenn ich unterkeinem Schmerze leide, eine seltsame Stimmung, ein un-erklärliches Gefühl wütender, quälender Ungeduld sichmeiner bemächtigte, dem ich körperliche Schmerzen, welcherArt diese auch sein mögen, vorziehc." Diese Worte er-j klären die oft beobachtete Thatsache, daß Geisteskranke sichi mit grausamer Lust die seltsamsten und blutigsten Selbst-! Peinigungen auferlegen.'*) Sein Glauben an die prophe-tische Wahrheit seiner Träume ist so unerschütterlich, daßihn derselbe veranlaßte, seine sonderbare Abhandlung VsLomnüs dem Drucke und der Öffentlichkeit zu übergeben.Seine Träume bestimmen seine Handlungen als Arzt; ge-

*) Auch Byron gesteht, daß ihm die Anfälle des Wechselsiebersnicht unangenehm seien, da dem Aufhören des Fiebers und dem Ver-schwinden des Schmerzes immer eine angenehme Empfindung folgte.