L*
— 31 -
Eine Aufzählung von Lebensphilosophen, die Vollständigkeitanstrebt, ist hier nicht möglich und hätte auch keinen Zweck.Die Beziehungen zum Lebensbegriff reichen in die verschiedenstenphilosophischen Richtungen hinein. So könnte man z. B. auchdie Gedanken von Friedrich Paulsen hierher rechnen,obwohl das Schlagwort Leben bei diesem nicht starken, aberfeinen und liebenswürdigen Denker fehlt. Für James hatte erviel Sympathie, und seine Kantauffassung liegt in der modernenRichtung. Mit noch mehr Grund ist Hans Vaihingers„Philosophie des als ob“ in diesen Zusammenhang zu bringen. ZumTeil knüpft sie freilich an die sonderbare Mißdeutung Kants an,mit der Forberg am Ende des 18. Jahrhunderts schon Fichtesenergischen Widerspruch herausforderte, und liegt insofern vonden Moderichtungen weit ab. Doch werden in ihr ausdrücklichauch die Fäden hervorgehoben, die sie mit Nietzsche und demPragmatismus verknüpfen, und auf ihnen beruht wohl die Teil-nahme, die sie gefunden hat. Im Prinzip gehen ihre Gedankenfür das, was hier wesentlich ist, nicht über das hinaus, was wirbereits kennen. Ein kurzer Hinweis auf sie kann daher genügen.Weitere Namen zu nennen hat keinen Sinn. Ihre Zahl ist groß,und ihre prinzipielle Bedeutung gering. Jede Mode hat vieleMitläufer.
Doch dürfen wir den Kreis der Lebensphilosophie auch nichtz u weit ziehen. Dies ist zu erwähnen, weil man sogar einen Den-ker wie Rudolf Eucken mit Bergson und James zusam-men genannt und gemeint hat, er suche ebenso wie diese sichvon den Begriffen zum Leben zurückzuwenden 1 ). Gewiß kommtdas Wort Leben bei Eucken oft vor, und ebenso ist es richtig,daß man in diesem eigenartigen und tiefen Denker nicht nureinen Erneuerer von Fichtes Idealismus sehen darf. Aber esbleibt doch bei ihm die engste Fühlung mit der klassischen deut-schen Philosophie grundwesentlich, und wollte man daher denLebensbegriff so umfassend nehmen, daß auch Euckens „Geistes-leben“ darunter fällt, dann würde das Schlagwort jede greif-bare und prägnante Bedeutung verlieren. Mag also Euckendas Wort Leben lieben, zu den Lebensphilosophen, die wir hier
1) Vgl. Julius Goldstein, Wandlungen in der Philo-sophie der Gegenwart, S. 149 ff
/>!■