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unabhängig vom Leben gilt, denn sonst wäre sie keine Wahrheit, diesich erkennen ließe, und wenn er das eingesehen hat, muß er siezugleich grundsätzlich dem wertenden Leben, das in der Zeitverläuft, entgegenstellen. Es gibt keine Philosophie desLebens, die nicht Wahrheit über das Leben als gültig voraus-setzt und nach ihr sucht, und diese Wahrheit über das Lebenläßt sich nur als etwas verstehen, das mehr als Leben ist. Sowird in den geltenden Lebenswahrheiten ein Anderes des Lebensin seiner Selbständigkeit über jeden Zweifel gestellt.
Gerade der Philosoph des Lebens kann an diesem Anderennicht rütteln, ohne sein eigenes Philosophieren damit für sinn-los zu erklären. Gestaltet sich also die Lebensphilosophie zurWertlehre aus, und versteht sie das Wesen der zeitlosen theo-retischen Wertgeltung, so muß sie damit zugleich das Prinzipder reinen Lebensimmanenz durchbrechen. Das ist der philo-sophisch bedeutsame Punkt in der Verbindung des Lebenspro-blems mit dem Wertproblem. So gewiß die LebensphilosophieWertphilosophie ist, so gewiß kann sie als Philosophie des theo-retischen Wahrheitswertes nicht Philosophie des bloßen Lebenssein.
Doch wird sie bei dem theoretischen Wert allein nicht stehenbleiben, sondern zu einer Theorie aller Werte sich erweitern,und auf dieser Basis ist dann eine umfassende Philosophie allesLebens zu gewinnen. Haben wir uns nämlich am theoretischenWertgebiet theoretisch orientiert, dann können wir an ihm dieandern Werte in ihrer atheoretischen Eigenart theoretisch messenund dadurch zugleich in ihrer atheoretischen Bedeutung theo-retisch würdigen.
Der Philosoph ist als theoretischer Mensch auch wertend,aber lediglich theoretisch. Er hat daher die atheoretischen Wertenicht zu werten, sondern theoretisch zu verstehen. JedesWertprophetentum muß er meiden und überall den Schritt zumV 7 ertverständnis machen. Diese Trennung wird leider in derLebens- und Wertphilosophie unserer Tage fast niemals durch-geführt. Insofern können wir bei der Mode nicht stehen bleiben.Beschränken wir uns jedoch auf theoretisches Verständnis derWerte und bilden es so aus, daß es allseitig wird, dann kom-men wir grade dadurch zu einer allseitigen Lebensanschauung.