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Bei ihm sind ferner noch Spuren von dem Großen, das das19. Jahrhundert gebracht hat, besonders von seiner Willenslehreund seinem Entwicklungsgedanken, die es dem Rationalismusund dem Stabilitätsprinzip des 18. Jahrhunderts entgegenstellte.Freilich war der Voluntarismus der deutschen Philosophie mehran der autonomen Persönlichkeit als am „Instinkt“ und ihrEvolutionismus mehr an den Mächten der Geschichte als am„elan vital“ orientiert. Besonders für das historische Lebenzeigt die Lebensphilosophie Bergsons auffallend wenig Verständ-nis, und insofern darf man in dieser Modeströmung mit ihremsich entwickelnden Lebenswillen nur von Spuren und Resten derklassischen deutschen Philosophie reden. Aber vielleicht gebensie Ansatzpunkte für eine vollere Entfaltung dieser Gedanken,und dann wäre es erfreulich, daß zunächst einmal wenigstensder Voluntarismus und Evolutionismus Bergsons Mode gewor-den ist.
Am höchsten jedoch ist Bergsons erstes Werk über die un-mittelbaren Gegebenheiten zu stellen, das schon 1889 herauskamund leider durch längere Zeit so gut wie keine Beachtung fand.Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung sind hierunter eigenartigen Gesichtspunkten überzeugend aufgezeigt. Eswird besonders dargetan, wie wenig die mathematische Physikimstande ist, das zu erfassen, was wir als „Wirklichkeit“ be-zeichnen müssen. Das wird Bergsons Hauptverdienst bleiben.Was im unendlichen Raum vorgeht und auf ihn bezogen werdenkann, ist nur ein Teil des Weltganzen. Mit der Lebensphiloso-phie im engeren Sinn, die auf dem biologistischen Prinzip ruht,hat freilich gerade dies Buch Bergsons noch so gut wie nichts zu tun,aber der Intuitionismus wird darin in der glücklichsten Weisezur Kritik rationalistischer Dogmen verwendet. Ihre Mission,das Feld frei zu machen für einen umfassenderen Weltbegriff,erfüllt die Lebensphilosophie im Prinzip hier ebenso, wie dieNeuentdeckung der anschaulichen und lebendigen „Natur“ es inden Zeiten von Sturm und Drang getan hat. Sie lehrt das Un-berechenbare sehen, das es doch auch gibt. Das ist der positiveSinn des Intuitionismus. —.
Auch bei Nietzsche finden wir tiefe Blicke in die Ursprüng-lichkeit des Lebendigen gegenüber dem bloß gedachten Leben.