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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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er jede mechanistische Erklärung als prinzipiellen philosophischenFortschritt begrüßen. Nach Darwin schien der Durchführungdes Mechanismus nichts mehr im Wege zu stehen. Vertrat diePhilosophie vorher einenDualismus von blinder Ursache undvernünftigem Zweck, der nichts erklärte, sondern nur ein asylumignorantiae war, so stehen wir jetzt vor der Welt als einemmonistischen Komplex rein mechanischer Ursachen und Wir-kungen, in den alles sich einordnen läßt mit Einschluß derzweckmäßig oder vernünftig gestalteten Organismen. Wir brau-chen also in kein Asyl mehr zu flüchten. Wir haben eine reinwissenschaftliche Weltanschauung.

Zugleich wird auch das Problem der Lebensanschauung oderdas Wertproblem monistisch lösbar. Früher hatte man die Werteder Natur entgegengesetzt. Das begann in der Philosophie schonmit Platon, wurde durch das Christentum befestigt, beherrschtedas Mittelalter, und in einem solchenMittelalter leben vielebeklagenswerte Philosophen noch heute. In dieser Hinsichtbrachte das Prinzip der natürlichen Auslese ebenfalls einenWandel. Wir sind nicht Fremdlinge in der Welt, sondern sie istunsere Heimat, und der Sinn unseres Lebens kann kein anderersein, als daß wir ihren Gesetzen zu gehorchen suchen. Von derAmöbe bis zum Kulturmenschen hat sie überall das Unvoll-kommene vernichtet und das Vollkommene erhalten.

So befriedigen die darwinschen Theorien nicht allein denIntellekt, der eine einheitliche Erklärung des Seins derWelt verlangt, sondern ebenso den Willen, der nach gesicher-ten Idealen sucht, um das Handeln danach zu lenken.

Der neuere Biologismus erstrebt formal dasselbe philo-sophische Ziel. Auch er will zu einer einheitlichen Erklärungdes Seins der Welt kommen und im unmittelbaren Zusammen-hang mit ihr eine Lehre von den Werten schaffen. Aber nicht derMechanismus ist der allgemeinste Rahmen, in welchen er dieWelt hineinstellt. Er geht von dem aus, was jeder mechanischenAuffassung spottet. Das Leben ist nur antimechanistisch alsKraftentfaltung, als Wachstum, als beständige Steigerung, alselan vital zu begreifen. Dann gilt es, um zur Einheit der Welt-anschauung zu kommen, nicht das Leben in die Materie, sonder numgekehrt die Materie in das Leben einzuordnen, also das schein-