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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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Ethik oder die praktische Lebensphilosophie, und zwar liegt esam nächsten, in ihr wieder das schon genannte Gebiet heraus-zuheben, auf dem die praktische Philosophie besonderspraktischwird, nämlich die Probleme des Staates und der Gesellschaft 1 ).Welches sind die politischen und die sozialen Ideale des Bio-logismus, wenn wir ihren besonderen Inhalt betrachten, auf Grunddessen sie Lebensprogramme bilden ?

Es muß auffallen, daß fast jede sozialpolitische Richtungin der biologistischen Lebensphilosophie ihre theoretische Stützegesucht und gefunden hat. Bei einem schematischen Ueberblickdarüber, der genügt, um dies zu zeigen, verbinden wir das Be-griffspaar des Sozialismus und Individualismus mit dem vonDemokratie und Aristokratie. Dann entstehen vier Gruppen vonTendenzen: die individualistisch-demokratischen, also derLibe-ralismus und das sogenannte Manchestertum, die sozialistisch-demokratischen, die im Marxismus (selbstverständlich nicht beiMarx selbst) ihren interessantesten Ausdruck gefunden haben, dieindividualistisch-aristokratischen, deren bekanntester WortführerFriedrich Nietzsche ist, und endlich die Bestrebungen, deren Vertreter sich selber als Sozial-Aristokraten bezeichnen 2 ).

Jede dieser vier Richtungen muß die andere bekämpfenund tut es. Aber in einem Punkte herrscht trotzdem Ueber-einstimmung: drei von ihnen haben die Geltung ihrer Ideale aus-drücklich auf die moderne Biologie zu gründen versucht, undbei der vierten, d. h. bei Nietzsche, kann man leicht zeigen, daß

1) Einen Teil der folgenden Darlegungen habe ich vor un-gefähr zwanzig Jahren in der ZeitschriftDer Lotse veröffent-licht. Bei der Entwicklung, die die Lebensphilosophie genommenhat, scheinen sie mir noch nicht veraltet. Nur war damalsdasLeben noch nicht so sehr Modewort wie jetzt. Ich habe daherfrüher zum TeilNatur geschrieben, wo jetzt Leben steht.Sachlich ist dadurch jedoch nichts geändert. Ich erwähne diesnur, weil es zeigt, wie jung die Lebensmode ist, und wie sie einebesondere Art des Naturalismus darstellt.

2) Diese Richtung ist am wenigsten bekannt, aber im theoreti-schen Interesse nicht zu übersehen. Sie hat in dem Buch vonAlexander Tille, Von Darwin bis Nietzsche, 1895, und viel-leicht noch deutlicher in der anonymen, wohl ebenfalls von Tilleverfaßten Schrift: Volksdienst. Von einem Sozialaristokraten,1893, ihren Ausdruck gefunden.

E. i c k e r fc, Philosophie d. Lehens. 2. Aufl.

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