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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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verbündet hat. Anschaulichkeit und Lebendigkeit die Wortehaben einen verlockenden Klang schon dann, wenn man jedesfür sich nimmt. Vereinigen sie sich gar zuranschaulichenLebendigkeit oder zurlebendigen Anschaulichkeit, wer kannihnen da noch widerstehen? Besonders aber erfreut sich derGegner der Erlebnisphilosophie, der nüchterne, unanschauliche,unlebendige Verstand und sein Produkt, das Rationale, heutgar keiner Sympathie, und dagegen ist mit Gründen auch nichtviel zu machen. Man kann das Rationale nur begründen, wennman schon Rationales voraussetzt. Solange der Mensch nichtsanderes als leben will, mag er jede ratio ablehnen.

In der Philosophie läßt sich der Verstand jedoch wohl nieganz ausschalten, und jedenfalls sollte die Ueberwindung desRationalismus oder Intellektualismus, die man heut preist, nichtzur Ueberwindung des Verstandes oder Intellekts führen 1 ).Aus der logisch unbegründeten Vorliebe für das bloß anschau-liche Leben müssen w r ir in der wissenschaftlichen Philosophieendlich wieder heraus. Endlich! Denn es ist nun schon ein halbesJahrhundert verflossen, seit Nietzsche in seinerGeburt derTragödie aus dem Geiste der Musik gegen den sokratischenMenschen ins Feld zog. Hat die Philosophie demdionysischenPrinzip Neues für einen positiven Aufbau zu verdanken?Man wird es bezweifeln dürfen. Wohl mag ein Kampf, wieNietzsche ihn führte, stets notwendig werden, wo der Sokra-tiker die Gestalt des Bildungsphilisters annimmt, wie Haym imSinne der Romantik den Aufklärer genannt hat 2 ). Aber Sokra-

1) Das habe ich schon 1899 in einer Abhandlung über FichtesAtheismusstreit (Kantstudien Bd. IV), als das Leben noch keinso beliebtes philosophisches Schlagwort war, gegen James undPaulsen geltend gemacht. Der Kampf, den Fichte gegen Forbergsals ob führte, ist heute vollends nicht veraltet.

2) Vgl. Rudolf Haym, Die romantische Schule. EinBeitrag zur Geschichte des Deutschen Geistes. 1870, S. 88.Es heißt dort von Tiecks Schildbürgern:Die eigentliche Ziel-scheibe des Spottes war .... ganz speziell die prosaische Super-klugheit der Bildungsphilister, die Trivialität und Abgeschmackt-heit der Aufklärer. Da Nietzsche auf die Erfindung des WortesBildungsphilister stolz war, ist es ausgeschlossen, daß er dieseStelle gekannt hat. Hayms Schopenhauerkritik ärgerte seinromantisches Herz. Er witzelte übergewisse überverwegeneUeberwege und in der Philosophie nicht heimische Hayme.