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voll davon reden. Worte, die nicht ein Erlebnis meinen, sindbedeutungsloser Schall, den weder wir noch andere verstehen.Insofern scheint die Lebensphilosophie im unbezweifelbaren Recht.
Sehen wir jedoch genauer zu, so ist dies Recht teuer er-kauft. Nehmen wir einmal an, alles Denkbare sei notwendig„Erlebnis“. Man kann das wohl sagen. Aber was folgt daraus?
Der Lebensbegriff wird völlig leer, sobald er auf alles geht,was es gibt oder nicht gibt. Ein Wort, das jedes denkbareEtwas bezeichnen soll, verliert notwendig die prägnante Bedeu-tung. Seine Verwendung für eine Philosophie des Lebens, diesich von anderen Arten des Philosophierens unterscheiden will,ist nicht mehr fruchtbar. Das Erlebte wird zum indifferentenNamen für Seiendes und Nichtseiendes, Beharrendes und Wech-selndes, Festes und Fließendes, Sichtbares und Unsichtbares,Sinnliches und Uebersinnliches, Unmittelbares und Reflektiertes,Inhalt und Form, Konkretes und Abstraktes, Gegebenes undVermitteltes, Anschauung und Begriff, Subjekt und Objekt, Ichund Du, Körperwelt und Seelenleben usw. usw.
Das alles muß irgendwie „erlebt“ sein, gewiß, denn sonstwüßten wir nichts davon. Sonst gäben die Worte keinen Sinn,den wir verstehen. Aber eine auf diese Wahrheit gestützte„Philosphie des Lebens“ hat nichts mehr mit der Denkrichtungzu tun, die auf das Werdende und Fließende, Unmittelbare undKonkrete, auf die Anschauung und ihre Fülle den Schwer-punkt legt, um das Beharrende und Feste, das Reflektierteund Abstrakte, das Vermittelte und den unanschaulichen Begriffzurückzustellen.
Allerdings kann man das Wort erleben so verwenden, daßder Satz: alles, wovon wir bedeutungsvoll reden wollen, mußirgendwie „erlebt“ sein, richtig ist. Ja, wir tun gut, uns diedarin steckende Wahrheit ausdrücklich zum Bewußtsein zubringen. Will man jedoch darauf allein schon eine Philosophiedes Lebens gründen, so ist das Ergebnis nichts weniger als neu.Nur der Name hat sich geändert. Erlebtsein heißt dann das-selbe wie „gegeben“ oder auch „bewußt“ sein, und die Lehre,die so entsteht, deckt sich mit der, die man sonst als erkennt-nistheoretischen Idealismus oder als Standpunkt der Immanenzbezeichnet. „Die Welt ist Vorstellung.“ Das steht in der Tat