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man bekämpfen. Die naturwissenschaftlichen Spezialdisziplinen je-doch sollte die Philosophie sich selbst überlassen. Lebendig zu sein,ist nicht ihre Aufgabe. Eine lebendige Mathematik scheint,falls wir das Wort lebendig in irgendeiner der üblichen Be-deutungen nehmen, geradezu absurd, obwohl es so aussieht,als würde neuerdings auch sie verlangt. Mathematische Gebildebleiben „tot“, mag man sie noch so „beweglich“ gestalten, unddoch sagt das gewiß nichts gegen den Wert des mathemati-schen Denkens. Vielleicht feiert es vielmehr gerade dort seinehöchsten Triumphe, wo es sich am weitesten von allem erlebtenLeben entfernt.
Dasselbe sollte man auch bei der Physik und Chemiewenigstens für möglich halten. Es ist nicht ihre Aufgabe, dielebendige Natur darzustellen. Ja, es braucht ihnen an wissen-schaftlicher Wahrheit selbst dann nicht zu fehlen, wenn sieversuchen, Begriffe für das L e b e n zu bilden. Das Bestreben,die Betrachtungsweise der Physik auf möglichst weite Gebietedes körperlichen Seins, über die tote Natur hinaus auf dasOrganische auszudehnen, ist methodisch unanfechtbar.Das Lebendige muß auch so dargestellt werden, daß es in einenverständlichen Zusammenhang mit der „Materie“ kommt, dienicht organisch ist und insofern tot genannt werden kann.Wenn man Versuche in dieser Richtung heute geradezu ver-ächtlich behandelt, und das Wort „mechanistisch“ im Mundemancher Philosophen zum Schimpfwort geworden ist, so zeugtdas von wenig „Philosophie“. Die physikalische Auffassungist für die Körperwelt nun einmal die umfassendste, und derallgemeinste, also „philosophische“ Begriff für die r ä u m-liehe Natur wird daher wissenschaftlich stets an der Physikorientiert sein.
Gewiß ist die Uebertragung des körperwissenschaftlichenDenkens auf die seelische oder „geistige“ Welt verfehlt. Aberdie Organismen sind ebenso körperlich oder raumerfüllend wiedie Erde, auf der sie sich allmählich entwickelt haben, und dieTriumphe der Physik brachten schon so vieles ins Wanken, wasman für fest hielt, daß kein „unmöglich“ für die Ausbreitungder physikalischen Begriffsbildung auf die gesamte Kör-perwelt ohne Ausnahme ertönen sollte.