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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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Auf andere Werke, die insofern für uns bedeutsam sind, als siewenigstens zum Teil, ebenfalls ohne es zu wissen und zu wollen,von den Lebensstimmungen der Zeit getragen werden, kommenwir später zu sprechen. Prinzipiell neues würde die Darstellungihres Inhaltes für eine Charakterisierung des zeitgemäßen Den-kens nicht ergeben. Was über Einzelheiten zu sagen ist, wird zurVermeidung von Wiederholungen besser erst bei der Kritik derLebensphilosophie vorgebracht.

Schon jetzt muß trotz der Beziehung auf einen Grundge-danken das Bild der modernen Lebensphilosophie bunt genugsein, um nicht einseitig zu erscheinen. In seinem Lebensrahmenist Platz für sehr heterogene Bestrebungen. Schöpferische Le-bensschwungkraft und heilige Passivität des stillen Erlebens,das alles Schaffen verneint, französischer elan und russischeMystik mit bewußt unproduktiver Beschaulichkeit, hoffnungs-freudiger Lebensoptimismus des evolutionistisch gerichtetenUebermenschentums und graue Verzweiflung an der Fortent-wicklung des abendländischen Kulturlebens, antiwissenschaft-liches Lebensprophetentum und strenge Wissenschaftlichkeitder Lebensschau, metaphysische Vertiefung in das Jenseitsdes Weltwesens und höchst diesseitiger pragmatistischer Utili-tarismus sie alle gehen zusammen in diesem west-östlichenLebensgebilde, das Europa durchquert.

Wie sollte das Lebens-Denken bei solchem Reichtum, derjedem etwas zu bieten scheint, nicht auch Mode geworden sein?Jedenfalls: weitaus die meisten Gedanken, die heut in der Philo-sophielebendig sind, d. h. mehr als Gelehrsamkeit bedeutenund weitere Kreise ergriffen haben, stehen unter dem Zeicheneiner Philosophie des Lebens, entweder ausdrücklich, oder wennnicht den Worten, so doch der Sache nach. Die Lebensbegriffeumgeben uns als unsere philosophische Luft, ja sie sind der jüngerenGeneration schon zur so selbstverständlichen Atmosphäre ge-worden, daß man vielfach meint, es müsse immer so gewesensein, und man dürfe überall nur zuerleben suchen, wenn manphilosophieren will.

die Geschichte in ihrer Entwicklung vorausbestimmen, gehört zuden rationalistischen Vorurteilen der Aufklärungsphilosophie, überdie wir doch endlich hinausgekommen sein sollten.

Rickert, Philosophie d. Lebens. 2 . Aufl.

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