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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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allgemein Verbreiteten trifft, darf man selbst bei einge-schränkter Anwendung in seinem Inhalt nie das allein Wesentlicheeiner geschichtlichen Kulturstufe sehen. Das gilt vor allem für dieGebiete, bei denen man an so etwas wie Fortschritt glaubt, alsobesonders für die Wissenschaft. Sie steht nie still, und die Ge-danken, die sie vorwärts bringen, also doch wohl die wesentlicheneiner Epoche sind, finden sich zuerst immer nur bei Wenigen.Allmählich greifen sie auf weitere Kreise über, jaTnder Philo-sophie pflegt sich dieser Prozeß recht langsam zu vollziehen, undwenn eine Ansicht später allgemeine Verbreitung gefunden hat,gibt es meist von neuem einige Wenige, die wieder Neues erkannthaben und so über die zum Gemeingut gewordene Ansicht hinweg-geschritten sind. Ihre Gedanken haben dann als die wesentlichenzu gelten, und für die Zeit, in der sie leben, ist damit das Schlag-wort, das sie nicht trifft, unbrauchbar geworden.

Kurz, was die allgemeine Meinung beherrscht, ist in derWissenschaft zum Teil immer bereits veraltet, und auf manchenanderen Kulturgebieten steht es ebenso. Mit Rücksicht hieraufhaben wir die Bedeutung jeder allgemeinen Charakterisierungeiner Zeit einzuschränken. Sie wird immer zu Ungerechtigkeitengerade gegenüber den wichtigsten, weil zukunftsreichsten Ereig-nissen führen.

Zugleich aber weist dieser Umstand auf etwas anderes hin.Die Schlagwörter der kollektivistischen oder morphologischenDarstellung sind in vielen Fällen für Modeströmungenauch ohne Einschränkung brauchbar, gerade weil sie nur denDurchschnitt treffen wollen, und wenn man sie mit Bewußt-sein allein dafür verwendet, werden sie auch zur Kennzeichnungwissenschaftlicher Richtungen bedeutungsvoll. Das gilt um somehr, als ganz unbeeinflußt von der Mode nur Wenige sich er-halten, sei es auch darum allein, weil der Kampf gegen sie sichnicht vermeiden läßt. Deshalb bleibt zwar die Mode, mag sienoch somodern und noch so sehr die neuesteTlocle sein, inder Wissenschaft das ewig Gestrige, und jedem wahrhaft bedeuten-den Denker geschieht Unrecht, falls man meint, ihn durch einallgemeines Schlagwort erschöpfend zu charakterisieren. Aberes hat trotzdem auch im philosophischen Interesse einen gutenSinn, sich die Kennzeichen der Modeströmungen ausdrück-