222 Sternkunde key den Aegyptier».
aber die Chaldäer verdienen demohngeachtet vor denAegyptiem unsere Hochachtung. Geschiehet hierinneden Aegyptiem unrecht: so sind sie selbst Schuld: war.um verschlossen sie ihre Erfindungen, wenn sie sich eini-ger rühmen konnten, in die Tempel?
Man findet in der Geschichte nichts, woraus manaus ihre gegründeten Kenntnisse in der Sternkunde schlies-sen könnte, als erstlich die winkelrechte Stellung ihrerPyramiden gegen die vier Weltgegenden; dann fernerdie sehr alte Kenntniß des Jahrs von z6; und einemViertelSkage; und endlich die Entdeckung der wahrenBewegung des Merkurs und der Venus. Vergleichtman diese Erfindungen mit dem, was die Chaldäer indieser Wissenschaft geleistet haben: so können diese denAegyptiem den Vorzug durch ihr hohes Alter, durch dielange Dauer ihrer ununterbrochen fortgesetzten Be-obachtungen, durch die genaue Bestimmung des tropi-schen Jahres und der ungleichförmigen Bewegung desMonds, durch die Erfindung ihrer Mondsonnenperiodeund durch ihre Kenntniß von der scheinbaren Bewegungder Fixsterne und dem Laufe derKomcten, streitig machen.
Demnach verdienen die Chaldäer und überhaupt alleoben angeführte morgenländische Nationen vor den Aegyp-tiern einen nicht geringe» Vorzug; und wenn diese letz-ter» in der alten Geschichte eben so berühmt, oder garnoch berühmter, als jene sind: so rühret dieses von ei-nem Vorurtheile der Griechen her. Die Griechen leg-ten den Grund ihrer Wissenschaftessin Aegypten und kann-ten keine andere gelehrte Nation, als die Aegyptier. Sieließen zwar die Aegyptier in ^ der Folge weit hinter sich;und auf solche Art hätten sie wohl alles auf ihre eigeneRechnung schreiben können: allein die eiteln Gesinnun-gen einer Nation äußern sich zuweilen auch darinne, daßsie eine andere mit großen Lobeserhebungen herauöstreichk,welche sie, in Rücksicht auf ihre Aufklärung und Wis-