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Christliche Kunstsymbolik Und Ikonographie : Ein Versuch die Deutung und ein besseres Verständniss der kirchlichen Bildwerke des Mittelalters zu erleichtern
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gische Sitte immer allgemeiner, die Legenden der Heiligen in denKlöstern yorzulesen. Es sollte damit die gemeinsame Heimat allerGläubigen mehr und mehr erkannt werden; dann auch durften dieerhabenen Vorbilder der Heiligen den gepriesenen Thaten deralten Helden und Götter, die etwa noch in Liedern und Sagenwerth gehalten waren, gegenüber treten und zum Maassstabefür menschliche Heldengrösse werden; Christi Reich demReich der gestürzten, verhöhnten Götzen gegenüber erschei-nen. Es ist begreiflich, dass diese Lectiire hin und wiederRücksicht nahm auf einen örtlichen Göltercultus und sichbemühete in jenem alten Scheingotte ein Zerrbild gewisserEigenschaften und Gedanken sehen zu lassen, die sich imHeiligen, dessen Leben der Betrachtung vorgelegt wurde, alsein reiner Abdruck grosser, göttlicher Idee darstellte. Da-durch aber berührte sich die Legende mit dem gefährlichenStoff. Und gerade die Rücksicht, die dem Heidenthume zuge-wendet wurde, konnte in einer gewissen Zeit von entschie-denem Einflüsse auf die Darstellung der Vit® Sanctorum wer-den. Im römischen Reich war diese Berührung von geringerGefahr, die Götterwelt war todt. Man glaubte schon langenicht mehr daran. Anders war es im Norden. Dort war nochein frischer Glaube in den Gemüthern. Der religiöse Cultuswar mit voller Hingebung geübt. Götter, Riesen, Wichteln,zutraulich-wohlwollende und bösartige Geister und hundertAnderes bewegte die Seele in Furcht und Andacht. Der ganzemythologische Process, dessen wir oben Erwähnung gethan,war noch im Gange und noch weit entfernt von jener Durch-bildung und gegenseitigen Aufhebung der Widersprüche, diedem Zusammensinken der Mythologie vorhergehen muss. Mitsolchen beweglichen Gemüthern wurde nun das Christenthum inBerührung gesetzt. Das Evangelium konnte die Vorstellungenvon dieser Geisterwelt nicht austilgen, vielmehr wurde die