XVIII
mochte, konnte hei ihnen nicht in Anwendung gebracht wer-den. Die menschliche Natur der Märtyrer und Glaubenshel-den konnte keiner Controvers anheim fallen. Der Cultus, derden Heiligen zu Theil geworden, hat allezeit den Charakterdes christlichen Heldenthums festgehalten. Dieser christ-liche Muth, diese geistliche Tapferkeit erhob sich in derdurch Christus eröffneten neuen Lebensordnung zu einergrossen, das ganze Dasein durchdringenden Idee , welcher sichdie Gläubigen um so begeisterter zuwandten, als sie den In-begriff aller christlichen Tugenden darin erblicken mussten.Denn das Christenthum ist nicht als ein blosses höheres Wis-sen , sondern als ein höheres Können aufgetreten. Die christ-lichen Heiligen sind die Vollbringer und Verwirklichen dieserIdee. Sie sind die Vorfechter und Sieger. Diese Auffassunggibt sich unverkennbar in den ältesten bildlichen Darstellun-gen der Heiligen,Bekenner und Märtyrer kund. Vergl. Krone,Kränze, Palme, Ritter, Fahne u. s. w.
Möglich, dass die Unzulässigkeit einer leiblichen Abbil-dung Christi in der Kirche die Darstellung der Heiligen umso entschiedener hervorgetrieben hat und ihrer Verbreitungförderlich war. Die tiefe Vorstellung vom »Leib und denGliedern« (Ephes. y ; 30 . Col. I, 18.) liess die ganzeMenschheit als einen gewaltigen Organismus ahnen, an demdie vollendeten Heiligen als die höher entwickelten Organeerscheinen mochten. Sie alle zusammen stellen die sittlichenFunctionen der Gattung dar und bilden den grossen christli-chen Menschen, dessen Haupt Christus der Herr ist. Zusam-menstellungen der Heiligen können so allerdings — in altersymbolischer Weise —■ als Bild des Lebens-Ideals gelten, alswelches ja auch Christus durfte betrachtet werden. Dazukömmt, dass bei vielen Heiligen Zustände und Handlungenberichlet werden (Versuchung in der Wüste, Heilung der