XVII
nasianischen Glaubensbekenntnis durchgerungen hatten, konntenBilder Christi ohne Gefahr zugelassen und aufgeslellt werden.Und so ist offenbar dieser neue Schritt wiederum von einerinnere Bewegung in der Kirche ausgegangen, bei welcherdas artistische Element nur sehr untergeordnet zur Sprachekömmt.
Wie aber der Glaube an den Sohn Gottes und Erlöser inder bestimmten Fassung, in der er zu dieser Zeit durch Concilund Kirchenväter fixirt worden, nicht etwas anderes war, alsder Glaube der ersten Christen und der Kirche: so ist esmöglich, dass die Christusbilder, die sich in der Constanti-nischen Zeit, auf den Grund dieser siegreich durchgebildetenGlaubensansicht auszubreiten anfangen, nur nach älteren Ueber-lieferungen gefertigt waren. (Mehr über Christusbilder vergl.unter Christus; Maria.) Denn es liegen unterschiedlicheThatsachen vor, die für ein solches Ueberkommen zu spre-chen schienen. Dann ist denkbar, dass diese heimlich fort-gepflanzten Bilder, die nun mit einem Male ans Licht traten,zu den Erzählungen von den »wunderbaren« Bildern Ver-anlassung gegeben haben. Denn Niemand wusste mehr anzu-geben, woher sie kamen, von wem sie herstammten. Es waren»imagines non manu factae « geworden, uxoveg uyuqonoirßai,und die fromme Phantasie hatte einen weiten Spielraum, dieHerkunft von diesem und jenem Bildnisse Christi zu ersinnenund passend einzukleiden. — Die weitere Entwickelung derSache gehört nicht hierher.
Wenden wir uns nun nach diesen Andeutungen über diegenannten, im christlichen Leben bedingten, successiv auftre-tenden Kunstformen zu den Bildern der Heiligen. Bereitslange Zeit vor den allgemein verbreiteten Christusbildern sindgeweihte Räume mit ihnen ausgeschmückt worden; denn jenerGrund, der die Messiasbilder so lange zurückzuhalten ver-