XIII
sich in der Geschichte der christlichen, vorzugsweise kirch-lichen Kunst auf eine höchst frappante Weise die genetischeEntwickelung des kirchlichen Lehrbegriffs nachweisen lassen.Hinter den successiv auftretenden Kunstformen wird sich ein tie-ferer Grund, eine lebendige fortstossende Kraft erkennen lassen.
Die anfängliche Schüchternheit der Christen, den Gegen-stand ihrer Verehrung in einer Weise dargestellt zu sehen,der an den Bilderdienst der Heiden erinnern konnte, hatteeine Menge symbolischer Zeichen in Umlauf gebracht, dietheils aus bildlichen Redensarten der heiligen Schrift geflossenwaren, theils einer Philosophie angehörten, in welcher dieseBilder eine besondere heilige Deutung hatten. Es waren Ge-genstände, die an und für sich gar keine religiöse Verehrungin Anspruch nahmen und die nur für den Eingeweihten einereligiöse Beziehung haben konnten. Vergleiche: Drach, Pfau,Phönix, Taube, Hirsch, Lamm, Einhorn, Löwe, Pal-men, Oelzweige, Kränze (Perlen), Anker, Fisch,Schiff, Fels, Hand, Kronen, Leyer, Rollen, Flüsseetc. etc. Endlich die conventioneilen Zeichen, die Mono- o.gramme Christi und die verschiedenen Kreuze. Diese Ver-schleierung war selbst dann noch beliebt, als eine Annäherungan die Kunstform der Heiden keine Gefahr mehr haben konnte.
Es gilt dieses besonders von den Lammsbildern.
In diese Symbole sind bereits die Keime der Anschauungs-weise niedergelegt, die sich im Laufe der Zeit immer freiermachten, die als eigenlhümlich christliche Anschauungenvon der Welt, der Seele, dem Uebel, der Erlösung etc. auftratenund sich in der philosophischen Dialektik, so wie gleichzeitigin den sinnlichen Darstellungen, auf künstlerische Weise, immermehr zu individualisiren strebten. Denn von dem erkanntenGegensätze, den das Christenthum zum Heidenthume bildete,schreitet das christliche Bewusstsein hinüber in das Erkennen