XI
den Mund legten, die Nichts zn uns sprechen wollten. So sindwir endlich inne geworden, dass wir bei der gründlichstenBeurtheilung der technischen Dinge, das Gebilde nur halbauffassen. Drum vermissen wir bei aller Bewunderung fürdie eine oder die andere Leistung jene Befriedigung, die unsso oft bei andern Kunstwerken zu Theil geworden ist. EineBefriedigung, die aus dem Verständnisse, dem Eingehn, ausder Vertrautheit mit dem Gegenstände entspringt. Sprechenwir es offen aus: Das heidnische Alterthum steht uns näher,es ist uns verständlicher, als unsere christliche Vergangenheit;und das, was aus christlicher Sinnesart hervorgegangen, istuns fremder, als jene Productionen der Griechen und Römer,zu denen wir Massen von antiquarischen und mythologischenKenntnissen mit herzubringen. Eben dadurch fühlen wir unsheimisch unter ihnen. Wir verstehen diese fremde Sprachebesser. Die Sprache unserer Heimat, unserer Jugend möchteich sagen, schlägt unerquicklich an unser Ohr. Wir habendas eigne Haus verlassen und uns lieber einem fremdenHimmel zugewendet. Wie konnte das so kommen? Was hat unsvon unsern Voreltern so geschieden? Kaum würde da, woein fremder Volksstamm eingewandert ist, der von den Vor-stellungen, dem Glauben, den nationalen und religiösen Ueber-lieferungen der alten Einwohner des Landes nichts weiss, einGegensatz greller auftreten, als hier, unter uns, zwischen denEnkeln und Vorfahren.
Seitdem sich mit dem Wiederaufblühen der Wissenschaftantike Prinzipien des gebildeten Lebens immermehr bemäch-tigt hatten, konnte es nicht fehlen, dass auch die kunstphilo-sophischen Ansichten in diesen neuen Kreis der Auffassungund Construction gezogen wurden. Die Kunst, der Künstlerund das Kunstwerk wurden auf andere Weise im BegrifT auf-genommen ; und wenn im christlichen Mittelalter die Kunst