Die homöopathische Pharmazie
H ahnemann hat mit seiner Heilmethode auch eine besondere Arzneibereitungs- Allgemeines,weise gegründet, und es gebührt ihm vor allem der Ruhm, die Verwendung derfrischen Pflanzen und Pflanzenteile in die Pharmazie eingeführt zu haben. Er hat eineeigene homöopathische Pharmazie geschaffen. Unsere Aufgabe nun ist es, stets imSinne Hahnemanns und seiner Nachfolger zu arbeiten, dabei sich aber doch den Fort-schritten auf technischem Gebiete nicht zu verschließen, sondern alles, was zu einerexakten und vorteilhaften Ausübung ihrer Vorschriften angezeigt erscheint, zu berück-sichtigen. Es sind daher im Laufe der Jahre auch in der homöopathischen Pharmaziewesentliche Verbesserungen vorgenommen worden, und auch diese Ausgabe des Arznei-buches hat wieder eine durchgreifende Neuerung gebracht, nämlich eine genaue Fest-stellung des Saftgehaltes der frischen Pflanzen.
Die Homöopathie entnimmt ihre Arzneistoffe der Pflanzen- und Tierwelt, dem Mine- Arzneistoffe,raireich, sowie der chemischen Industrie. Abweichend von der Allopathie bereitet siesich zunächst aus den verschiedenen Arzneisubstanzen Essenzen, Tinkturen, Lösungenoder Verreibungen von einem bestimmten Arzneigehalt, und diese werden dann wiedernach bestimmten Regeln weiter verdünnt. Für alle diese Manipulationen sind ver-schiedene Vorschriften gegeben, und es ist die erste Aufgabe des Apothekers, alle diesebei der Bereitung der homöopathischen Arzneimittel in Frage kommenden Grundsätzegenau zu befolgen, damit die Wirksamkeit der aufs feinste verteilten Arzneimittel nichtungünstig beeinflußt wird.
Zu den pharmazeutischen und chemischen Präparaten, welche ausschließlich derHomöopathie angehören, wird in dem vorliegenden Werke die Originalvorschrift desPrüfers gegeben. Nur das nach dieser Vorschrift bereitete Präparat ist zu verwendenund kein anderes.
Für Herstellung der auch anderweitig gebrauchten chemischen Präparate sind hiermeistens keine Vorschriften gegeben worden. Die in stetem Fortschritt begriffenenchemischen Fabriken arbeiten mit einer solchen Sorgfalt, daß es dem Apotheker möglichist, seine Präparate von ihnen zu beziehen. Erscheint ihm dies aus irgendeinem Grundenicht ratsam, so gibt ihm jedes größere Handbuch der Chemie genügende Auskunft, wieer dieselben anzufertigen hat. Die gleichzeitig im Deutschen Arzneibuche enthaltenenPräparate müssen den darin gestellten Anforderungen entsprechen.
Die Herstellung der Essenzen hat in diesem Werke eine wesentliche Verbesserung saftgehait alserfahren, die darauf beruht, daß bei der Bereitung derselben der in der frischen Pflanze Arzneie,nhe "-enthaltene Saftgehalt als Arzneieinheit berücksichtigt wird, wie es bereits auch indem holländischen homöopathischen Arzneibuche geschehen ist. Es werden nunmehrEssenzen mit einem bestimmten Saftgehalt hergestellt. Bisher wurden bei der Essenz-bereitung der Saftreichtum und andere wichtige Eigenschaften der Pflanzen meist nichtgenügend berücksichtigt, und namentlich bei den im Homöopathischen Arzneibuchnicht aufgenommenen Mitteln war die Herstellung der Essenzen meist eine Willkür-