Druckschrift 
3 (1850) L - Z
Entstehung
Seite
944
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

944

ZuCKlili.

chen Knoten und einem Blüthenbüschel an die Spitze treibt. JederStengel ist von aussen mit einer harten, kieselsäurereichen Rindebedeckt, welche innerlich ein holziges, aber trockenes Gewebe ein-schliessl, in dessen Zellen sich der Zuckersaft befindet. Ueber die*Bestandtheile der verschiedenen Arten Zuckerrohr siehe Knapp'sehem.Technologie II. 159, und Paven, Precis de chim. indust., 1849,126. Der Zuckergehalt beträgt 17—18 pCt. Zur Darstellung desZuckers werden die Stengel zwischen Cylindern ausgepresst und derablaufende Saft in grossen Bütten aufgefangen, in welcher er einigeZeit lang bleibt, ehe er in die Pfannen gebracht wird. Fünf Pfannenbilden eine sogenannte Equipage. Die grösste derselben dient haupt-sächlich zum Absetzenlassen des Saftes. In der nächsten wird derSaft mit Kalkmilch aufgekocht, um die freie Säure zu neutralisiren,die von dem Kalk getrennte Flüssigkeit wird eingedampft, beim Er-kalten liefert sie einen braunen körnigen Zucker, von welchem eindunkler Syrup, die Melasse, abfliesst. Der durch die erste Krystal-lisation gewonnene Zucker heisst der Rohzucker; er ist von an-hängender Melasse stets mehr oder weniger braun gefärbt. Um denZucker zu raffiniren, wird derselbe in siedendem Wasser gelöst unddie Lösung zur Entfärbung durch Knochenkohle filtrirt. Der farbloseSyrup wird dann verdampft; den gehörig concentrirten Syrup bringtman in grosse, kupferne Behälter, Kühler, und rührt ihn bis zur Bil-dung von körnigen Krystallen um. Darauf füllt man denselben inirdene Formen, welche an einem warmen Orte stehen, umgekehrteKegel darstellen und in der Spitze eine Oeffhung haben, und rührt vonZeit zu Zeit, um die Bildung von grossen Krystallen zu verhindern.Nach dem Erstarren fliesst aus der Spitze ein dunkler Syrup ab; umdenselben vollständig zu entfernen, giesst man entweder auf dieBasis der Formen reinen Zuckersyrup, welcher den Syrup verdrängt,oder man bedeckt den Zucker in den Formen mit einem dünnenThonbrei, dessen Wasser auf gleiche Weise wirkt (Decken des Zuckers).Der so erhaltene Hutzucker bildet eine poröse, weisse, aus kleinenKrystallen bestehende Masse. Lässt man eiue concentrirte Zucker-lösung an einem wärmern Orte langsam verdunsten, so erhält manden Kandiszucker. Otto's Chemie III. 125; Dumas, organ.Chemie VI. 203 und 266; Schubarth's technische Chemie III. 170und 201. 2) aus den Runkelrüben. Die Runkelrübe enthält10,5 pCt. Zucker, in der Praxis zieht man aber selten mehr als 8pCt.aus. Die einfachste Methode der Runkelrübenzuckergewinnung be-steht darin, die reifen Rüben schnell in erwärmter Luft zu trocknen,dieselben zu zerreiben, und durch Auflösungsmittel schnell vom Zuckerzu befreien, oder die Rüben ohne vorhergehendes Trocknen zu rei-ben, auszupressen, den Saft entweder sogleich mit Kalkmilch, oderzuerst mit etwas Schwefelsäure, um Eiweiss und andere Stoffe zufällen, versetzt, abdampft, klärt und kryslallisiren lässt. Alle dieseOperationen müssen möglichst schnell vorgenommen werden, damitder Rohrzucker nicht in unkrystallisirbaren Zucker und in Mannitund Milchsäure, oder in die geistige Gährung übergehe. Ueber Run-kelrübenzuckerfabrikation siehe: Payen, Prelis de chimie industr.1849, 403; Dumas, angewandte Chemie VI. 1403; Schubarth'stechn. Chemie III. 218. — Der Ahornzucker wird in Nordamerika