S.ÄUREiV.
513
Es giebt ferner noch Säuren, die aus einer Verbindung einesaus drei Körpern zusammengesetzten Radikales zu bestehen schei-nen, diese Säuren aber, in denen man ein solches Radikal angenom-men hat, gehören wahrscheinlich zu den zusammengesetzten (Mit-scherlich.)
II. Wasserstoffsauren. Diese Säuren unterscheiden sich da-durch von den Sauerstoffsäuren, dass sie nicht, wie jene sich directmit den Basen zu Salzen verbinden, sondern dass sich beide zersetzen,das Radikal der Wasserstoffsäure verbindet sich mit dem Radikal derBase zu einem Haloidsalz, während der Wasserstoff der Säure sichmit dem Sauerstoff der Base zu Wasser verbindet. Bei der Verbin-dung einer Wasserstoffsäure mit einer Base findet daher stets Was-serbildung statt. Eine Sauerstoffsäure z. B. Schwefelsäure SO s ver-bindet sich direct mit Kali KO und bildet KO + S0 3 , eine Wasser-stoffsäure aber z. B. Chlorwasserstoffsäure GlH i verbindet sich miteiner Base z. B. Kali KO nicht zu KO + GIH 2 , sondern zu KCl. t-\-(H i O). Mitscherlich nimmt an (s. Lehrbuch d. Chemie I. 2.202.), dass, so wie der Sauerstoff im Wasser der Grund ist, warumman dasselbe als eine Säure betrachten kann, auch Chlor, Brom,Jod, Fluor, Cyau und Schwefel die Ursache der sauren Eigenschaf-ten, welche ihre Verbindungen mit Wasserstoff haben, sei. Dieserletzteren Ansicht zufolge ist der Wasserstoff das Radikal der Was-serstoffsäuren. — Das Wasser verbindet sich nicht mit den Säurendes Wasserstoffs, es scheint nur Auflösungsmittel derselben zu sein;sie können alle für sich existiren.
Die Wasserstoffsä'uren lassen sich, wenn wir nicht Mitscher-lich's Ansicht folgen, wie die Sauerstoffsäuren in Säuren mit ein-fachem und in Säuren mit zusammengesetztem Radikale eintheilen,zu den ersteren würde die Salzsäure, die aus dem einfachen Radi-kal Chlor und Wasserstoff besteht, und zu den letzteren die Cyan-wasserstoffsäure gehören, welche aus dem zusammengesetzten Radi-kal Cyan (Kohlenstoff und Stickstoff) und Wasserstoff zusammenge-setzt ist. Bis jetzt kennt man noch kein Radikal, dass sich in meh-reren Verhältnissen mit Wasserstoff zu Wasserstoffsäuren verbindenkann; obgleich es mehrere Verbindungen des Schwefels mit demWasserstoff giebt, so verhält sich doch nur die eine Verbindung alsSäure.
Die Sauerstoffverbindungen mit zusammengesetztem Radical hatman auch organische Säuren genannt, oder hat auch alle Säurenüberhaupt eingethei.lt in anorganische und organische Säuren.Da aber auch Säuren, die als Sauerstoffverbindungen eines einfachenRadikales zu betrachten sind, wie die Oxalsäure f7 2 + 0 3 *) auf denNamen einer organischen Säure Anspruch machen, im Gegentheilaber auch organische Säuren in neuerer Zeit aus Substanzen darge-stellt worden sind, die mit dem organischen Processe in keinem'
i
") Man müsste denn die aus zwei Elementen zusammengesetzten orga-nischen Säuren, wie die Oxal-, Rhodizon-, Krokonsäure u. s. w. als auseinem zusammengesetzten (sauerstoffhaltigen) Radikal, dem Oxalyl und Sauer-stoff bestehend, betrachten.
Clem.-plj'g. Wötterb. III. 33