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2 (1914)
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Theorie der Benzolderivate.

die rein praktische Seite dieser Industrie ist, so darf doch auch,wie aus dieser kurzen Darstellung ihrer geschichtlichen Entwicke-'ung hervorgeht, ihr hoher wissenschaftlicher Wert nicht verkanntwerden. Denn die eingehende Beschäftigung mit der Konstitutionund Synthese der Farbstoffe hat der Chemie neue Wege gewiesen,hat zu neuen Entdeckungen geführt und neue Ausblicke eröffnet.Gerade durch diese Richtung hat die organische Chemie oder dieChemie der Kohlenstoffverbindungen, ganz besonders aber die deraromatischen Reihe oder der Benzolderivate eine ungeahnte Aus-gestaltung erfahren, deren Ende heute noch gar nicht abzusehen ist.

2. Theorie der Benzolderivate.

Ehe wir die Zwischenprodukte der Teerfarbenfabrikation unddiese selbst besprechen, müssen wir zum näheren Verständnisseder Vorgänge uns kurz mit den Eigenschaften der aus dem Teeregewonnenen Stammsubstanz, dem Benzol, beschäftigen. DasBenzol besitzt die Formel

es besteht demnach aus je sechs Atomen Kohlenstoff (C) undWasserstoff (H). Nun wissen wir, daß der Kohlenstoff vierwertig'st, d. h. er vermag sich mit vier einwertigen Elementen zu ver-einen. So kennen wir das schon wiederholt erwähnte Methan, CH t ,und eine Verbindung von Kohlenstoff mit vier Atomen Chlor, denTetrachlorkohlenstoff, CCl^ Auch mit zweiwertigen Atomenkann sich der Kohlenstoff verbinden, wobei dann jedoch nur je2 Atome des zweiwertigen Elementes gebunden werden, wie inder Kohlensäure C0 2 und im Schwefelkohlenstoff CS 2 .

Tritt Kohlenstoff und Stickstoff, dessen Atom dreiwertig ist,zusammen, so entsteht eine neue Verbindung, das Cyan CN,worin eine der vier Valenzen des Kohlenstoffes ungesättigt ist,sie kann beispielsweise durch ein einwertiges Wasserstoffatomabgesättigt werden, wir erhalten dann den Cyanwasserstoff oderdie Blausäure HCN. Die Atomgruppe CN, die noch eineungesättigte Valenz enthält, kann ihrerseits wieder in andereVerbindungen eintreten, wobei sie sich wie ein einwertiges Atomverhält. Solche Atomgruppen, die im freien Zustande nicht be-stehen können, nennt man, wie schon an einer früheren Stelledargelegt,Radikale".

Verbindet sich ein Atom Kohlenstoff nur mit drei Wasser-stoffatomen derart, daß eine Valenz ungesättigt bleibt, so ge-langen wir abermals zu einem Radikal, dem Methyl CH 3 . Wie

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