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2 (1914)
Entstehung
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Entwicklung der Teerfarbenindustrie.

Kunstprodukt in vieler Beziehung dem Naturprodukte überlegenwar, so vor allem durch die Reinheit, die gleichmäßige Konzen-tration usf., ist es fast selbstverständlich, daß es bald Eingangin die Praxis fand. Dem Krappbau war dadurch die Existenz-berechtigung entzogen und das Alizarin hat den Krappbau baldgänzlich unrentabel gemacht. Im Jahre 1873 wurde schon eben-soviel Alizarin künstlich dargestellt, als natürlicher Krappfarbstoffverbraucht wurde, und im Jahre 1878 war der einst so blühendeKrappbau Frankreichs auf den fünfzigsten Teil seines ursprüng-lichen Umfanges zurückgegangen. Wir sehen hier den gleichenFall, der sich vor kurzer Zeit nach der Einführung des künstlichenIndigos abspielte: ein Naturprodukt wurde durch ein Kunst-produkt verdrängt, das zwar seiner chemischen Beschaffenheitnach damit völlig identisch, für die Praxis jedoch brauchbarerund daher wertvoller ist.

Die Erkennung des Alizarins als Abkömmling des Anthrazensführte zur Entdeckung zahlreicher anderer Farbstoffe der An-thrazenreihe, die sich sowohl durch große Schönheit, wie durchEchtheit auszeichnen. Das Alizarinblau gehört hierher, ebensodas Alizarinorange. Bayers Arbeiten über die Gruppe der Phta-leine führten im Jahre 1871 zur Entdeckung der Fluoreszeineund ihrer Halogenderivate, der Eosine, denen sich später alsgleichwichtige und wertvolle Farbstoffgruppe die Rhodamine an-schlössen.

In der Baumwollfärberei spielte damals der Indigo nocheine dominierende Rolle und es dauerte noch lange Zeit, bis die 1880gelungene erste Synthese des Indigofarbstoffes so ausgebildetwar, daß er als Konkurrent auftreten konnte. Doch begannenschon in den siebziger Jahren andere Farbstoffe sowohl demIndigo als auch dem Berlinerblau Konkurrenz zu machen, so z. B.das Methylenblau, das 1876 von Caro durch Oxydation desP-Amidodimetylanilins bei Gegenwart von Schwefelwasserstofferhalten wurde. Bemerkenswert ist, daß es den ersten praktischwichtigen Vertreter der schwefelhaltigen Farbstoffe, die in derletzten Zeit so große Bedeutung erlangten, bildete.

Auf die Entdeckung der Azofarbstoffe und die 1863 bekanntgewordenen ersten Vertreter dieser Gruppe, das Anilingelb und dasPhenylenbraun, wurde schon hingewiesen. Mitte der siebzigerJahre wendete sich die Aufmerksamkeit der Chemiker wiederdieser Gruppe zu. Es erschien das Chrysoidin im Handel, das fürdie Praxis allerdings keine sonderliche Bedeutung erlangte, wohl

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