Die Teerfarbstoffe.
Dem Fuchsin hatte Perkins Mauvein die Wege geebnet, eswar daher fast selbstverständlich, daß die Anwendung diesesneuen, alle bis dahin bekannten Farben an Schönheit weit über-treffenden Körpers rasch großen Umfang annahm und sich vielebemühten, das Patent zu umgehen, was zur Auffindung neuerWege, Fuchsin darzustellen, führte.
Diese Entdeckungen und Beobachtungen waren jedoch mehrdem Zufalle, als der Kombination auf wissenschaftlicher Grund-lage zuzuschreiben, deren Bearbeitung und Schaffung Hofmanneinstweilen mit dem ihm eigenen Eifer aufgenommen hatte. Erstudierte den Vorgang, der sich bei der Darstellung des Fuchsinsabspielt, stellte die chemische Zusammensetzung dieses Körpersfest, und erkannte, daß das Fuchsin weder aus ganz reinem Anilin,noch aus reinem Toluidin zu entstehen vermag, sondern nur auseinem Gemenge, das beide Basen enthält. Ein Schritt weiterbrachte die Entdeckung, daß das Anilinblau als substituiertesRosanilin aufzufassen ist und dies führte ihn im Jahre 1863 zurAuffindung eines neuen Farbstoffes, „Hofmanns Violett", undeiner Reihe anderer Farbstoffe, die durch Erhitzen von Fuchsinmit Chloräthyl, Bromäthyl usw., also mit Halogenderivaten derAlkoholradikale darstellbar sind. Sein Schüler Nicholson ent-deckte dann das Jodviolett und die wichtige Tatsache, daß vieleFarbstoffe, die, wie z. B. das Anilinblau, nur in Alkohol löslichsind, wasserlöslich werden, wenn man Sulfogruppen einführt.
Andere Farbstoffe, deren Entdeckung in diese Zeit fiel, sinddas Aldehydblau, und nun wurde die Skala der künstlich darge-stellten Farbstoffe immer reichhaltiger. Es folgten die erstenInduline, dann das Safranin, das aus dem Naphthalin dargestellte„Manchestergelb" usf. Auch die ersten Azofarbstoffe stammenaus dieser Zeit, wie das Nicholsonsche ,,Anilingelb", dem bald das„Phenylen- oder Manchesterbraun" folgte.
War man einerseits bestrebt, durch eingehendes Studiumdes Teeres und seiner Bestandteile und Anwendung neuer Ver-fahren zu neuen Farbstoffen zu gelangen, so befaßten sich andereForscher wieder mit der Erforschung der „Konstitution", d. i.des Aufbaues natürlicher organischer Farben. So zeigten Grabeund Liebermann, daß die im Krapp enthaltenen natürlichen Farb-stoffe, das Alizarin und Purpurin, Abkömmlinge des ebenfallsim Steinkohlenteere enthaltenen Anthrazens sind. Diese Er-kenntnis führte bald zur Synthese des Alizarins, des ersten natür-lichen, künstlich dargestellten organischen Farbstoffes. Weil das
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