Druckschrift 
Die wichtigsten vegetabilischen Nahrungs- und Genussmittel : mit besonderer Berücksichtigung der mikroskopischen Untersuchung auf ihre Echtheit, ihre Verunreinigungen und Verfälschungen ; mit 271 Holzschnitten
Entstehung
Seite
490
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

490

Senf.

Das Muskatnusspulver könnte verfälscht sein mit den gepulvertenSamenkernen der bei Macis erwähnten Myristica Malabariea. I>j

Diese sind cylindrisch, beiderseits flach gerundet, an 4 Cm. lang, ca. 18 Mm.breit, an der lederbraunen Oberfläche wenig grobrunzelig, am Querschnitte mitdichtem, compactem, fleischfarbigem Endosperm und glänzenden, dunkel braun-rothen, relativ wenigen Ruminationsfalten, die zum Theil gestreckt und breitbis zur Mitte reichen. Sehr deutliche weisse Leitbahnen im fleischrothen Endo-sperm. Feucht, an der Oberfläche stark klebrig, gelb abfärbend.*);;

In der inneren Samenhaut (Aussenperisperm), auch hier wesentlich auskleinen Tafelzellen (2130 ;jl) mit rothbraunem Pigment, resp. in den äusserenZellagen mit denselben Krystallen wie in der echten Muskatnuss, einzelne grosse(90135 p-) Secretzellen mit einem ähnlichen Inhalt wie in den Secretzellen derBombay-Macis. Solche Secretzellen bilden auch die Hauptmasse des Faltengewebes.Alle oder so gut wie alle enthalten einen sphärischen, manchmal zerklüftetenHarzballen oder einen dicken Balsam von gold- oder citronengelber Farbe. UnterWasser wenigstens erscheint ein Theil flüssig, zähe, fadenziehend (wohl einGummiharz).

Die Stärkemehl führenden Zellen des Endosperms (45105 p, die meisten60SOp. gross) sind isodiametrisch-polyedrisch, dünnwandig; die Stärkekörnerhaben die Form und Grösse (G15p., Zwillinge, Vierlinge etc. 1524p.) jenerder echten Muskatnuss. Auch kommen, wie dort, zwischen den farblosen Zellendes Endosperms zerstreute Pigmentzellen mit gelbem oder gelbbraunem Pigmentund darin eingelagerten Stäikekörnern vor. Gut entwickelte Krystalloide in denAmylumzellen sind selten.

Zur Charakteristik des Pulvers der Bornbay-Muskatnuss reichen die durch-aus anders sich verhaltenden Secretzellen, resp. ihr so auffallender Inhalt voll-ständig aus. Die Beactionen, auch makroskopisch, welche für die Bombay-Macisoben angeführt wurden, können auch hier verwerthet werden.

23. Senf, Speise-, Tafelsenf. Die gepulverten reifen Samenmehrerer Senf-, Brassica- resp. Sinapis-Arten für sich odernach Zuthat von Weinmost oder Weinessig und von verschiedenenanderen Stoffen, besonders von Gewürzen in Gestalt einer breiartigenMasse, welche als Zuthat zu Fleischspeisen Verwendung findet.

Zur Herstellung des Senfs dienen besonders die Samen vonBrassica nigra Koch (Sinapis nigra L.), der sogenannte schwarzeSenf, und jene von Sinapis alba L., der weisse Senf, nebenwelchen noch der Sarepta-Senf, von Brassica juncea Hook.fil. et Thoms. im Handel vorkommt.

I. Schwarzer Senf. Die Samen sind (Fig. 231 u. 232) eirund,seltener fast kugelig, 1 l x / 4 Mm. lang, an einem Ende mit einemkleinen Nabel und daneben oft mit kleinem Spitzchen, an derOberfläche unter stärkerer Lupe zierlich fein netzig-grubig durchscharf vorspringende, zu 5 ßseitigen Maschen regelmässig ver-bundene Leistchen, vorwaltend dunkelrothbraun, zum Theil etwasweisslich schilferig.

Die dünne spröde Samensehale nmschliesst einen eiweiss-losen, grünlichgelben, gekrümmten Keim, dessen ölig-fleischigeCotyledonen längs des Mediannerven zusammengefaltet sind, sodass das äussere grössere Keimblatt das innere kleinere scheiden-f örinig umgibt und in der so gebildeten Binne liegt das stielrundenach aufwärts gebogene Würzelchen.

*) Ihr Aschengehalt wurde mit 1'34% (Sand 0'05%) ermittelt.