Druckschrift 
Die wichtigsten vegetabilischen Nahrungs- und Genussmittel : mit besonderer Berücksichtigung der mikroskopischen Untersuchung auf ihre Echtheit, ihre Verunreinigungen und Verfälschungen ; mit 271 Holzschnitten
Entstehung
Seite
465
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Sternanis.

465

echte Vanille, dabei stark flachgedrückt und insbesondere dieLa Guayra-Vanille an der Oberfläche grob-netzrunzclig, allevon weit schwächerem oder von starkem, aber ganz anderemaromatischem Gerüche. Tiemann und Haarmann erhielten ausVanillon nur 0*4—0-7% Vanillin.

Vanillepulver wird als solches wohl nicht verkauft, sondern für denKüchengebrauch pflegt man ganze Vanillestücke zu kaufen.

Der Nachweis gepulverter Vanille als würzige Zuthat zu anderen Genuss-mitteln, z.B. Cacao und Chocolade, ist deshalb schwierig, weil davon nur sehr"■erinn-e Mengen zugesetzt werden. Man muss grössere Mengen des betreffendenArtikels zur Untersuchung heranziehen, resp. eine grössere Reihe von Probenmikroskopiren. Anhaltspunkte für den Nachweis der Vanille hat man ganz be-sonders in Stücken der Gefässbündel, des Parenchyms mit Eaphidenschläuchenund einzelnen Eaphiden, in Stücken der äusseren Epidermis mit den schönenKalkoxalatknrstallen, der inneren Papillenepidermis und eventuell in den Samen,resp. ihrer Testaepidermis.

21. Sternanis, Badian. Die getrockneten Sammelfrüchte vonIllicium verum Hook. fil. (I. anisatum Lour.), einem im südlichenund südwestlichen China, sowie in Tonkin*) einheimischen kleinenBaume aus der Familie der Magnoliaceae.

Jede Sammelfrucht besteht gewöhnlich (Fig. 214, 1) aus achtrosettenförmig ausgebreiteten, einem kurzen Mittelsäulchen ange-wachsenen steinfruchtartigen einsamigen Karpellen und ist häufignoch von einem ca. 20—30 Cm. langen, an 2 Mm. dicken, gebogenen,nach oben keulenförmig verdickten, an der Oberfläche roth- oder grau-braunen längsrunzeligen Fruchtstiele (Fig. 214, 4, links) getragen.

Die Mitte der Unterseite der Sammelfrucht liegt gewöhnlichtiefer als der Rücken der Karpelle. Jedes der letzteren (Fig. 214, 3)ist ca. 13—20 Mm. lang, an 6—10 Mm. hoch, von den Seitenzusammengedrückt, nachenförmig, an der nach oben gewendetenBauchnaht meist wenig klaffend, vorne in der Regel mit geraderdicker Spitze, rothbraun, holzig, an der Oberfläche, zumal amRücken, grobrunzelig, an den klaffenden Dehiscenzflächen glatt,glänzend braun, weiter unten, in der eigentlichen Fruchthöhle(Samenlager) gewöhnlich dunkelrothbraun.

Der flach eiförmige, an 8 Mm. lange, an der Oberflächeglatte, stark glänzende, meist rothbraune (seltener gelbbraune) Samezeigt vorn (Fig. 214, 6), seitlich der von einer rundlichen, fast knopf-förmigen Verdickung der harten, spröden Testa eingenommenenSpitze, den vertieften, eirunden oder eiförmigen, matt graulichenNabel, von welchem über den oberen Samenrand bis zum ent-gegengesetzten Ende ein meist deutlich vorspringender stumpferKiel (Nabelleiste) verläuft.

Der Sternanis hat einen angenehmen Anisgeruch und Ge-schmack.

Bau. I. Pericarp.**) Aeussere Epidermis, unter einergrob-wellig-längsfaltigen Cuticula, aus grossen (60—120p.), in

*) R. Blondel, Journ. de Pharm, et de Chiin. 1889, NX.**) Zur Orientirung vergl. Fig. 221 von Illicium religiosmn.

VogJ , Nahrungs- u. Genussmitte].

30