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Vanille.
20. Vanille. Die vor der völligen Reife gesammelten undgetrockneten schotenartigen Kapselfrüchte von Yanilla plani-folia Andrews, einer ursprünglich Mexico angehörenden, jetztauch in anderen tropischen Ländern cultivirten Pflanze aus derFamilie der Orchidaceae.
Die Vanillepflanze ist ein Schmarotzer; sie klimmt mittels Luftwurzelnin schattigen feuchten Wäldern an den Bäumen hoch empor und besitzt grosse.gelblichgrüne Blüten, deren langer, schmaler, einfächeriger unterständiger Frucht-knoten erst im zweiten Jahre reift und zu einer schotenartigen, zweiklappig derLänge nach sich öffnenden Kapsel wird.
Der Hauptsitz der Vanillecultur in Mexico sind die Küstenlandschaftendes Staates Veracruz, besonders bei Papantla, Mizantla, Coliba und Tacuantla.Im Jahre 1864 wurden aus Veracruz und Tampiko 20.000 Kgrm. Vanille ver-schifft. Seither hat die Production sehr abgenommen infolge der Concurrenz,welche dei mexikanischen Vanille durch das Product anderer Gebiete, zumal vonKeunion (Bonrbon) entstanden war. Diese Disel erzeugt seit 1817 in immer mehrsteigender Menge dieses werthvolle Gewürz. Auch auf Mauritius, Madagascar,Mayotte, den Seychellen, auf Ceylon und Java wird Vanille gewonnen. Li unseremBändel findet sich fast ausschliesslich Bourbon-Vanille.*)
Auf Beunion werden die Früchte angeblich zuerst 10—15 Minuten inheisses Wasser getaucht, dann zwischen wollenen Tüchern der Sonne ausgesetzt,bis sie nach 6—8 Tagen an Stelle ihrer ursprünglich grünen eine braune Farbeangenommen haben, worauf man sie in Schuppen auf Hürden ausbreitet und voll-ständig trocknet.
Dieses Trocknen, während dem die Früchte häufig gewendet werden,dauert ungefähr einen Monat lang. Schliesslich werden sie wiederholt einzelnzwischen den Fingern durchgezogen (geglättet), um ihnen den gewünschten Gradvon Geschmeidigkeit und Oberflächenbeschaffenheit zu geben.
Die Vanille des Handels stellt langgestreckte, lineale, bis2 Dm. und darüber lange, 6—8 Mm. breite, mit Ausnahme ihresuntersten Theiles flachgedrückte (3—4 Mm. dicke) , geschlosseneeinfäclierige, vielsamige Kapselfrüchte dar.
Sie sind am vorderen Ende abgestutzt und mit einer undeut-lich wallartig umsäumten, gerundet-dreiseitigen Narbe, am unterenverschmälerten und etwas gekrümmten Ende mit einer flachen,rundlichen Stielnarbe versehen, an der dunkel roth- bis schwarz-braunen, zuweilen streifig oder fleckig heller gefärbten, fettglän-zenden Oberfläche grob längsfurchig und längsstreitig, bisweilenmit farblosen, glasglänzenden Krystallen von Vanillin über undüber bedeckt, zähe und biegsam, von sehr angenehmem charakte-ristischem Gerüche.
Ihre Fruchthöhle ist dicht gefüllt mit zahllosen kleinen,eirunden oder fast kugeligen, vorwiegend schwarzen, glänzenden,von einem hellgelben Balsam umgebenen Samen.
Querschnitt**) eirund, in Wasser aufgeweicht gerundet-drei-seitig. Von jeder der drei Seiten der fleischigen braunen Frucht-
*) Die Vanille-Ernte 1896/7 betrug auf Bourbon ca. 83.000, auf den Sey-chellen ca. 19.000, auf Mauritius ca. 4000, auf Madagaskar, Mayotte und in Ost-afrika 10.000, zusammen 116.000 Kgrm. gegen 75.000 Kgrm. des Vorjahres.Gehe's Ber. April 1897.
**) Ein Querschnitt der aus drei Fruchtblättern hervorgegangenen Fruchtquillt in Kalilauge stark auf und nimmt im Umrisse die Gestalt eines gleich-