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2 (1879) Lob - Zuneigung
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1045
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Tugend. Turnen. 1045

die Luidestugend eben in ihrer Art und Gestalt permanent machen will; daß er da-Mii selbst dazu helfen soll, jenen engen Kreis allmählich zu erweitern, und darüber«Mn, daß nur jener naturgemäße Umwandlungsproceß ungestört vor sich gehen kann.z>ur darauf sei hier aufmerksam gemacht, daß unverständige Eltern nicht selten eineKigmg des Kindes, die die Anlage zu einer Tugend in sich birgt, gering achten oderw mckrdrücken, weil sie ihnen unbequem ist, wie z. B. die Ordnungsliebe, die Pünct-Mit m Bezug auf Schularbeiten, auf Kleidung, den Rechtssinn in Bezug auf Meinwb Dein, das Begehren, etwas versprochenes auch zu leisten u. s. w. Ein Kind des--ilb, weil es in solchen Dingen vielleicht kleinlich und ängstlich ist, zu verlachen oderA schmähen oder ihm sein Pflichtbewußtsein als Thorheit auszureden, das ist ein un-Miiiwortlicher pädagogischer Frevel; wir sollten ja froh sein an jedem AnhaltspunkteSr sittliche Bildung, den uns des Kindes Naturell darbietet.

Schließlich bleibt noch die Frage übrig: ob die Bildung der Tugend und zur' Tugend damit anzufangen habe, daß man zuerst das Centrum feststellt und von daB die einzelnen Tugenden zu gewinnen sucht, oder ob umgekehrt eine Tugend nachln andern dem Kinde angebildet werden müße, um als höchstes und letztes ResultatL Tugend als Gesammtheit und Einheit aller zu erzielen? Den: oben Gesagten ge-nüg würde auf letzterem Wege, dem einer mechanischen Zusammensetzung, das Zielm erreicht; Lebendiges muß organisch entstehen, die Vielheit aus der Einheit erwachsen.Aer — abgesehen davon, daß wir für den Tugendbegriff nicht bloß die Kategorie derjlrafi, sondern zugleich die der Fertigkeit in Anspruch nehmen, — ist die Form derAcignung auch des sittlich Guten für das Kind immer die Synthese, nicht die Ana-lyse; dem Kinde gegenüber gilt, wie ja seit Pestalozzi ein pädagogisches Dogma lautet,ks Elementiren. Der Erzieher weiß und muß wissen, daß, indem er das Kind eineragend lehrt, in dieser partiellen Tugend die ganze Tugend schon mitgesetzt ist; aberdis Kind weiß das noch nicht und soll und kann es noch nicht wissen, eS lernt einerügend nach und neben der andern. Daß allem rechtschaffenen Handeln ein Grund-Mi» innewohne, das vernimmt es seiner Zeit wohl aus dem Katechismus — Lutherleginnt ja jede Erklärung eines Gebotes im Dekalog mit den Worten: wir sollenZeit fürchten und lieben — aber daß nun -diese Gottesfurcht und Gottesliebe auchscrdert, daß man nicht lüge, das entwickelt sich für des Kindes Bewußtsein niemalsMi selber aus deren Begriff oder der inner:: Wirkung der Gottesfurcht und Gottes-liebe, so wenig als es die solidarische Zusammengehörigkeit von Kindesliebe undKndesgehorsam selber entdeckt. Somit kommen wir doch auf den scheinbar paradoxenLch zurück: Die Jugend kann man die Tugend nur lehren, indem man sie dierügenden lehrt- Aber je mehr sich die Jugend den: Alter der Reife nähert, um somehr ist es alsdann angezeigt, ihr ein stets klareres Bewußtsein von der idealen Einheitiller Tugenden beizubringen und dadurch ihnen allen erst den festen Halt in Geist undMm zu geben, dadurch jede einzelne auf eine höhere Potenz zu erheben. Diese Ein-heit ist keine andre als die Frömmigkeit; keine Moral weiß irgend eine Tugend zu«mm, die nicht in ihr ihren Ausgangspunct, ihre tiefste Quelle, ihr reinstes Mo-li» hätte.

Turnen, Turnknstst, Turnwcsen, Turnplatz, Turnhallen, Turnlehrer,nmilehrerbildnng. Wenn wir heutzutage mit den: Worte „Turnen" die Kunsthsi methodischen Leibesübung bezeichnen, so verstehen wir darunter in erster Liniesie Entwicklung dieser Angelegenheit in Deutschland und unter deutschen Verhältnissen,ei» deutscher Mann Ludwig Jahn, gab der Sache nicht bloß ihren deutschen Namen,Mdem auch ihr deutsches Gepräge, so daß das Turnen seitdem als deutsch-nationalesMwicklungsmomcnt der Geschichte angehört.

Nach Or. A. Schleicher ist „Turnen" ein Lehnwort, das sich schon im 10. Jahr-Mert eingebürgert hatte und offenbar auf das lateinische tornurs (drechseln, rund-Mhm) zurückzuführen ist. Da aber iornnrs selbst wieder nachgebildet worden vonr°p°s (Dreheisen, Zirkel, Rundung), so stammt unser Turnen auch von diesem royvos

ebenso wie das mittelhochdeutsche „Turnei, Turnier".

Die Bestrebungen für eine pädagogische und methodische Leibesübung zum Zwecke

Eldung der Anlagen und Kräfte des Körpers zu Gewandtheit und Kraft, zuMlunbheit und Schönheit, wie sie innerhalb der Kulturgeschichte des deutschen Volkes