Schrcibuntcrricht.
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-ckat wird. — Bei solchem «Stande der Sache kann es auch nicht überraschen, wennwandernde Schrciblehrer oder „Professoren der Kalligraphie" mit ihren marktschreierischen'einen Einer noch einen so bedeutenden Zulauf haben. Das Leben fordert eineäelaunae deutliche Handschrift; wenn nun die Schule diese berechtigte Forderung nichtMt muß der „Herr Professor" helfen. Und wie vortheilhaft: „In 8—12 Stunden'ird auch die schlechteste Handschrift in eine gute werwandelt!" Da zahlt man ja«I die 8—12 Thalcr. Und fragen wir nach den bleibenden Erfolgen solcher
Echreibcurse??-Welcher verständige Lehrer wollte da im Ernst fragen!? Man
-lande doch nur nicht, daß sich der „Herr Professor" im Besitze eines besondcrn Ge-beimmittels befinde oder eine „besondere Methode" befolge. Es giebt für den Schreib-uiiterrickt nur eine Methode, die aus der Geschichte und dem Wesen des Unterrichts-jectcs selber hcrausgebildet werden muß. Und nur der Lehrer, der diese Arbeitkindlich vollzogen hat, wird im Stande sein, einen erfolgreichen Schrcibuntcrricht-»geben; freilich wird er etwas mehr Zeit als 8—12 Stunden gebrauchen und dazuech eine gute Portion Geduld und Ausdauer, und seine Schüler werden guten Willen»d anhaltenden Fleiß an den Tag legen müßen, aber die Erfolge werden dann auch.in so erfreulicher und nachhaltiger sein. Denn hier macht der Lehrer die Methodei,d nicht umgekehrt. Es wird darum mit dem Schreiben nur dann besser werden,eiin in allen Schulen Lehrer unterrichten, die. für ihr Unterrichtsfach die rechte Vor-i,t Durchbildung und die Begeisterung besitzen, die allein den Erfolg des Unterrichts»bürgen.
Welche Anforderungen müßen denn an den tüchtigen Schreiblehrer gestellt werden?
Wir rechnen dahin drei Stücke:
I. Ter Schrciblehrer muß Historiker seines Faches sein, d. h. er muß dieGeschichte der Schreibkunst, die Hauptwerke der kalligraphischen Literatur und diehistorische Entwicklung der einzelnen jetzt gebräuchlichen Buchstabenformen kennen.
. II. Ter Schrciblehrer muß Methodiker seines Faches sein, d. h. er muß auschcr Historie der Buchstaben die Formelemente, die sämmtlichen Buchstaben zu Grundeliegm, herausfinden, aus ihnen die nothwendigcn Grundformen ableiten, darnach dieDchickstaben in Gruppen bringen, innerhalb jeder Gruppe die Buchstaben in genetischerStufenfolge ordnen, jeden Buchstaben seiner Abstammung gemäß aus den Grundformen»stauen und dieselben nach methodisch richtigen Grundsätzen zur klaren Anschauungnt sichern Einübung bringen können.
s III. Jeder Schrciblehrer muß Pädagoge seiu, d. h. er muß die im Schreib-mcrricht liegenden, erziehlichen und formal bildenden Momente erkennen und erfolgreichemerthen können.
Sollte nun jemand die Frage aufwcrfen: In welcher Anstalt sollen diese Schreib-kbm ausgebildet werden? — so antworten wir: In derselben Anstalt, in welcheruck bie Lehrer für Religion, Deutsch, Rechnen:c. ausgebildet werden, im Lehrerseminar.Tort^sollen die angehenden Lehrer eingeführt werden in die Geschichte und Methodikes Schreibunterrichts (theoretisch und praktisch), dort sollen sic Anleitung empfangen,m Schreibunterricht auch erziehlich und formal bildend zu erthcilen; einer besonderen"statt („Schreiblehrerseminar") bedarf es für diesen Zweck nicht. Allein das Seminarkam nicht fertige Schrciblehrer bilden, es kann nur die Grundlage legen und An-wgmg zur selbständigen Fortbildung geben; diese darf kein Lehrer unterlassen, derchruch erheben will, ein Schreiblehrer im wahren Sinne des Wortes zu seiu.
Wenn wir nun im Folgenden auf die drei Forderungen näher eingehen, so solla»nt keineswegs eine erschöpfende Darstellung und Begründung derselben gegeben sein,cildern nur Andeutungen und Winke, namentlich in Bezug auf Punct I und III,k'cgegen Punct II eine mehr ausführliche Behandlung erfahren soll.
I- Unsere Buchstabenformen sind als „willkürliche" Zeichen aufzusassen, die mitcm Laut, den sie bezeichnen, in gar keiner Beziehung stehen. Diese willkürlichen»che» haben wir uns aber nicht selbst gegeben, wir haben sie von unfern Vätern'Emmen, und unsere Väter haben sie auch nicht selber erfunden, sondern sie vonc» Aolkern erhalten, die früher als sie auf einer höhern Stufe der Cultur und Bil-standen. Das ganze Abendland hat seine Cultur und Bildung und damit seine^ "Waben von den Römern empfangen, während diese wieder auf die Griechen und